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Aus den "Deutschen Nachrichten" |
Fra den tyske avis |
Einzelne Lager |
Om de enkelte lejre |
Deutsche Nachrichten 1947 Nr 15
vom 21. April 1947 |
Deutsche Nachrichten 1947 nr 15
fra 21. april 1947. |
Die Selbsterziehung des deutschen Volkes af Johannes Urbanski,
Oksbøl,
Kohlenhof. #1.
Gegen die ewigen Nörgler af Frau Irmgard Brausewetter, Aalborg-Øst.#13.
Jugendbewegung in den Lagern af Heinz Loll, Lager Thistedvejen
og Bruno Czinczoll, Lager Nørresundby, Aalborg. #24.
Also wieder Autarkie af Helga Kaae, Kopenhagen. #32.
Verlorengegangene Koffer af Margarete Urban, Flüchtlingslager
Rom #53. |
Det tyske folks selvopdragelse
Imod de evige kværulanter
Ungdomsbevægelse i lejrene
Altså, igen autarki
Kuffert forsvunden. |
| 1 Die Selbsterziehung des
deutschen Volkes |
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| 2 Bei
der angestrebten Selbsterziehung des deutschen Volkes ist eine grundlegende
Änderung unserer Weltanschauung Vorbedingung. Dieses ist für
die junge Generation eine selbsterhaltende Notwendigkeit, es führt
die alte Generation zur Erkenntnis der bewusst und unbewusst begangenen
Fehler unter Auswertung ihrer Erfahrungen. |
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| 3 Hierbei kann uns das Ausland wenig
helfen, da anderen Nationen die deutsche Lebens- und Wesensart ebenso wenig
bekannt sein dürfte, wie wir dieses von uns anderen Ländern gegenüber
behaupten können. |
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| 4
Überall erschallte bei uns der Ruf nach der Gerechtigktig. Gerechtigkeit
ist keine primäre Angelegenheit, sondern nur das Produkt der Ordnung.
Was sollen wir aber unter dem Begriff Ordnung verstehen? Kurz gesagt folgendes:
Unterordnung der eigenen Person unter die bestehenden Gesetze der Menschlichkeit,
der Gemeinschaftsgeistes und der Redlichkeit in Wort und Tat, gestützt
auf eine von uns selbstgewählte Führung. |
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| 5 Wenn wie uns immer auf die Fehler
anderer Länder berufen, werden wir die erstrebte Ordnung im eigenen
Lande nicht erreichen, weil wie vieles als Fehler anderer zu sehen glauben,
ohne aber die näheren Verhältnisse richtig beurteilen zu können. |
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| 6
Glauben wir nur nicht, wir Deutschen müssen allein leiden, nein alle
Nationen ohne Ausnahne müssen unter der internationalen Auswirkung
des leider von uns angezettelten Krieges leiden und sorgen. Besonders die
Nationen, welche mit uns sympathisierten. Wir lebten früher in der
Meinung, dass nur das deutsche Volk die hervorragendsten Politiker, die
unbesiegbare Wehrmacht, die befähigsten Gelehrten besass. |
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| 7 Das "Deutschland über alles"
war zu stoltz, andere Länder und die Politiker anderer Länder
zu hören und internationale Grundsätze anzuerkennen, besonders
nach 1933. Man kann dieses behaupten, ohne unseren grossen Gelehrten und
Erfindern Abbruch zu tun. Wenn wir daher einer Regierung oder Staatsform
Vertrauen schenken sollen, dann müssen die Gesetze und die Ordnung
nicht auf überschwänglichen Phrasen, wie "Wir müssen noch
viel fanatischer werden", sprich: "unbelehrbarer", ruhen, sondern einen
realen und wahrheitsgetreuen Unterbau haben. |
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| 8 Es gibt eben keinen grösseren
Fehler, als wein ein 68 Millionen Volk aus Selbstüberschätzung
auf internationale Beziehungen verzichtet, weil es hier nicht tonangebend
war. Das Weiterbestehen einer Weltwirtschaft ist nur auf internationaler
Basis gesichert. Die Weltproduktion hat infolge ihrer wissenschaftlichen
und technischen Fortschritte ihre Erträge derartig gesteigert, dass
auch bei Missernten und Naturkatastrophen allen ein durchaus ausreichender
Lebensstandard gesichert ist, wenn alle Erzeuger und Verbraucher ihre Produkte
preiswert umsetzen bzw. erwerben können. |
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| 9 Noch günstiger
gestaltet sich die Lage, wenn man statt Kanonen Gebrauchsgüter fabriziert.
Dieses wird nach den letzten Nachrichten von den grossen Nationen angestrebt. |
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| 10
Ich betone nochmals, dass die Kenntnisse über die internationale Wirtschaft
und Politik unumgänglich zur Selbsterziehung des deutschen Volkes
notwendig sind. Aber was nützt die Erkenntnis, wenn wir nicht Selbstvertrauen
besitzen. Weisen wir alles, was in uns ein Minderwertigkeitsgefühl
auslösen könnte, ruhig und überlegen zurück. Wo ein
Wille ist, ist auch ein Weg. |
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| 11
Es ist niemand zu jung und niemand zu alt, mitzuarbeiten, wenn das grosse
Werk der Selbsterziehung gelingen soll. |
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12
Ich wende mich besonders an meine Berufskollegen, die Lehrmeister im Handwerk
und die Lehrkräfte an Berufsschulen, am Wiederaufbau durch Aufklärung
in diesem Sinne mitzuwirken.
Johannes Urbanski, Oksbøl, Kohlenhof. |
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| 13 Gegen die ewigen Nörgler |
Imod de evige kværulanter |
| 14
In den Deutschen Nachrichten veröffentlichten Sie am 20. 1. 47 in
Nr. 3 einen kurzen Artikel von mir, betitelt: "Zwei glückliche Menschen".
(47-03#27) Dieser Artikel spricht gute Weihnachtswünsche
und einen kleinen Dank an Dänemark aus. Ach, dazu möchte ich
Ihnen sagen, dass ich von verschiedenen Menschen hier darüber bespöttelt
werde und von wenig guten erfahren muss, wie abfällig solche Menschen
über mich urteilen. |
I Deutsche Nachrichten offentliggjorde
De den 20. 1. 47 i nr 3 en kort artikel af mig, med titlen: "To lykkelige
mennesker". Denne artikel udtaler gode juleønsker og en lille tak
til Danmark. Ak, dertil vil jeg gerne sige Dem, at jeg fra forskellige
mennesker her er blevet spottet for det og fra nogle få gode mennesker
har måttet erfare, hvor nedsættende den slags mennesker bedømmer
mig. |
| 15 Diese, ich möchte fast sagen, blöden
Menschen verstehen nicht, wie ich es meine. Das sind die Menschen, die
sich hier als schrecklich gequält fühlen, sich am Stacheldraht
blind sehen, über alles meckern, nur jedes bisschen beklatschen und
so mit hässlichen Gedanken dem lieben Herrgot den Tag wegstehlen.
Diese Menschen haben auch durchblicken lassen, dass ich zu faul bin, in
Deutschland zu arbeiten. |
Disse, jeg kunne næsten sige, tåbelige mennesker forstår
ikke, hvad jeg mener. Det er de mennesker, der føler sig frygtelig
i pine her, ser sig blind på pigtråden, brokker sig over alting,
bagtaler hver eneste detalje og således stjæler dagen fra den
gode Gud med hæslige tanker. Disse mennesker har også antydet,
at jeg er for doven til at ville arbejde i Tyskland. |
| 16 Gegen solche sinnlosen Behauptungen
gehe ich an und ich bitte Sie, durch Ihre Zeitung diesen unverständigen
Menschen Klarheit zu geben. |
Jeg går nu op imod den slags meningsløse påstande
og jeg beder Dem om gennem Deres avis at give disse uforstandige mennesker
klar besked. |
| 17 Ich selbst
bin erst mit meinem Kind am 8. IV. 45 aus Königsberg geflüchtet,
am 9. IV. 45 wurde Königsberg übergeben und am 10. IV. 45 geriet
mein Mann dort in russische Gefangenschaft, wie ich erst kürzlich
von meinem Mann erfuhr. Jeder Königsberger, der bis zu diesem Zeitpunkt
dort war, weiss was das heisst, bis zum Schluss fast in der Festung zu
leben. Aus diesem Wirr kam ich am 15. IV. 45 hier in Kopenhagen an. |
Jeg selv flygtede
først med mit barn den 8-4 45 fra Königsberg, den 9-4 45 blev
Königsberg overgivet og den 10-4 45 kom min mand dèr i russisk
fangenskab, hvilket jeg først for kort tid siden erfarede fra min
mand. Enhver königsberger, der var der indtil dette tidspunkt, véd,
hvad det vil sige at leve næsten til afslutningen i fæstningen.
Ud af dette virvar ankom jeg den 15-4 45 her til København. |
| 18 Mir erscheint es heute noch unglaubhaft,
dass ich hier noch gelandet bin aus allem schrecklichen Kugelregen. Für
dieses gütige Geschick bin ich sehr dankbar. Dass ich hier körperliche
und seeliche Ruhe fand, verdanke ich auch diesem Lande Dänemark. Auf
eine Internierung war ich vorbereitet, weil mein Mann mir stets sagte:
Dieser Krieg ist von uns vom Zaun gebrochen, wir selbst werden erleben,
was da kommen muss. -- |
Stadig idag synes det mig utroligt, at jeg er landet her ud af den
skrækkelige kugleregn. Jeg er meget taknemlig for denne nådige
skæbne. At jeg her fandt legemlig og sjælelig ro, har jeg også
dette land, Danmark, at takke for. Jeg var forberedt på en internering,
fordi min mand altid sagde: Denne krig er gået over gevind for os,
vi kommer selv til at opleve, hvad der kommer ud af det. -- |
| 19
Dieses Land mit seinen 4 Millionen Einwohnern konnte uns viele Eindringlinge
nicht frei herumlaufen lassen. Der Stacheldraht dient aber nicht allein
hierzu, er ist auch unser Schutz. Hinter dem Draht laufen Posten, also
wir werden bewacht. Für rücksichtslose, brutale Menschen ist
der Zaun ein Hemmnis, für verständnisvolle Menschen ein Muss. |
Dette land med sine 4 millioner
indbyggere kunne ikke lade os mange indtrængende løbe frit
omkring. Men pigtråden tjener ikke alene hertil, den er også
vor beskyttelse. Bagved hegnet løber der vagtposter, vi bliver altså
bevogtet. For hensynsløse, brutale mennesker er hegnet en hemsko,
for forstandige mennesker et 'must'. |
| 20 Darum sah ich den Zaun nie, ich gucke
in die herrliche Natur und frohe Hoffnungsgedanken stimmen mich glücklich.
Ich denke besonders hier an Frauen mit Kindern. Oft haben sich diese Mütter
und Kinder hier erholt. In dieser Zeit haben verschiedene auch ihre Männer
und Väter gefunden. Wieviele haben aber noch keinen gefunden, da ist
es doch gut, dass sie noch hierbleiben dürfen. |
Derfor ser jeg aldrig hegnet, jeg kikker ud i den herlige natur og
glade forhåbningstanker giver mig en lykkelig stemning. Jeg tænker
her især på kvinder med børn. Ofte er disse mødre
og deres børn kommet sig her. I denne tid mar forskellige mennesker
også fundet deres mænd og fædre. Men hvormange der end
er, der ikke har fundet dem, det er dog godt, at de stadig må blive
her. |
| 21 Nach der Kapitulation sind wir
hier vielem Leid entgangen und aus manchen Gegenden Deutschlands hört
man noch von unsagbarem Leid. Ich selbst fand, wie ich schon erwähnte,
kürzlich meinen Mann, der mit 5 Männern sich ein Zimmer teilt
und schläft mit Kleidern auf Stroh, ½ Jahr war er in Gefangenschaft
und er hat schwere Ruhr durchgemacht. Jetzt isst er seine kärglichen
Mahlzeiten und muss sich alles selbst bereiten und doch schreibt er mir,
wenn es geht, bleibe bis März oder April noch da. |
Efter kapitulationen har vi her gennemgået mange lidelser og
fra mange egne af Tyskland hører man endnu om usigelige lidelser.
Jeg selv fandt for kort tid siden, som jeg allerede har nævnt, min
mand, som deler værelse med 5 mænd og sover med tøjet
på på strå, i et halvt år var han i fangenskab,
og han har været igennem svær dysenteri. Nu spiser han sine
karrige måltider og må selv tillave det hele og alligevel skriver
han til mig, at hvis det går an, så skal jeg blive til marts
eller april. |
| 22 Auch er ist dankbar, weil er weiss,
unser Kind und ich sind geborgen. So sprechen wir und so danke ich dem
Lande Dänemark zeitlebens. Jawohl, die ewigen Nörgler sollen
es durch unsere Zeitung erfahren. |
Også han er taknemlig, fordi han véd, at vort barn og
jeg er i god behold. Sådan siger vi og sådan takker jeg landet
Danmark hele min levetid. Javel, de evige kværulanter skal erfare
det gennem vores avis. |
23
Meinen besten Dank für die Veröffentlichung dieses Briefes und
freundliche Grüsse sendet
Frau Irmgard Brausewetter,
Aalborg-Øst. (Reaktion: 47-24#45) |
Min bedste tak for offentliggørelse
af dette brev og venlige hilsener sender
fru Irmgard Brausewetter
Aalborg-Øst. |
| 24 Jugendbewegung in den Lagern |
|
| 25 Was sollen
wir hier in Dänemark tun? Wenn man Erwachsene, die von Lager zu Lager
verleget werden, hört, ist es fast in allen Lagern mit der Jugendbewegung
nicht weit her. Dieses müssen wir leider auch feststellen. Es wäre
wünschenswert, dass unsere Altersgenossen beiderlei Geschlechts die
Zeit in den Lagern besser nützten, indem sie sich organisatorisch
in Jugendgruppen freiwillig zusammenfinden, um sich zu zerstreuen, zu bilden
und soweit wie möglich auf die Aufgaben, die ihrer in der Heimat warte,
einzustellen. Die Erwachsenen würden gerne mit fortgeschrittenen Kräften
aushelfen. |
|
| 26
In unserem alten Lager "Fraer pr. Skørping" erwachte das Verlangen,
etwas näheres über Demokratie von einem Erwachsenen, der wirklich
antinazistisch eingestellt war, zu hören. Da es im Lager meistens
an solchen Kräften mangelt, findet sich auch in den meisten Lagern
keine demokratische Aufklärung für die Jugend. Grosses Interesse
dagegen zeigte in unserem Lager hierfür ein Antinazist, der durch
einen Aufruf unsere Jugendbewegung ins Leben rief. Bei dem Aufruf wurde
uns der Unterschied zwischen Zwang und freier Jugendbewegung klar gemacht.
Dieses allein weckte bei uns schon weiteres Interesse, denn vorher wurde
uns alles für Pflicht erklärt. |
|
| 27
Hierauf folgte die Gründung einer Jugendgruppe. Es wurden Jugendgruppenabende
eingerichtet, woe wor gemütlich zusammenkamen und über dieses
und jenes plauderten. Weitere Abwechslung schafften wir uns durch Gesellschaftsspiele,
lustige Erzählungen und Tanz mit der weiblichen Jugendgruppe. Nachdem
alles gut in Gang gekommen war, wählten wir aus unserem Kreise eine
Jugendleitung. Diese bestand aus einem Vertrauensmannn und 2 Gruppenleitern. |
|
| 28 Der Vertrauensmann hatte die Vertretung
der männlichen Jugendlichen gegenüber der Lagerleitung. Die Gruppenleiter
unterstützen den gewählten Vertrauensmann und sorgten gleichzeitig
für die Bessergestaltung der Jugend-Gruppenabende. Diese Jugendvereinigung
bestand rund ½ Jahr. Kurz vor der Auflösung des Lagers gab
die Jugendgruppe einen Abschiedsabend, an dem sich die gewählten Kameraden
verabschiedeten. |
|
| 29 Es wurde kurz der Aufbau und die
Arbeit der Jugendleitung geschildert und auf die Schwierigkeiten, die die
deutsche Lagerverwaltung uns in den Weg gelegt hatte, hingewiesen. Nach
dem Schlussliede wurde anschliessend von beiden Jugendtruppen -- männlicher
und weiblicher -- zwei Stunden getanzt. |
|
| 30
In diesem Sinne wünschen wir auch die Jugendlichen in den andern Lagern
zusammenzufassen. Wir möchten, dass sich alle Jugendlichen in allen
Lagern Dänemarks eine solche Jugendvereinigung schaffen. Wir werden
unsere Kraft und unser uns schon angeeignetes Wissen gerne auch im neuen
Lager zur Verfügung stellen und in dieser Richtung tätig sein,
und bitten um die Mithilfe unserer Lagerbetreuer. |
|
31 Unseren Altersgenossen rufen wir
zu: Helft mit bei diesem für uns grossen Werk, indem Ihr uns unterstützt
in unserem Wirken, freie Jugendgruppen in den Lagern ins Leben zu rufen,
soweit solche nicht vorhanden sind. -- Viele Grüsse senden wir an
unsere Kameraden der Jugendgruppe "Fraeer", die jetzt in vielen Lagern
Dänemarks verstreut wohnen.
Heinz Loll,
Lager Thistedvejen.
Bruno Czinczoll,
Lager Nørresundby, Aalborg. |
|
| 32 Also wieder Autarkie |
|
| 33 Ein Antwort auf den Artikel Herm.
Friedrich Schulz "Krieg dem Kriege Heimatgenüge." (14/1947#28
svar: 20/1947#37) |
|
| 34
Sie schreiben über Heimatpflege, Heimatwirtschaft, Heimatnatur und
so weiter und scheinen dabei gänzlich zu vergessen, dass Deutschland
auf einen gesunden Austausch, d. h. Im- und Export angewiesen ist und vor
allem gerade heute, wo alles, was aus dem Ausland eingeführt werden
muss, mit Waren aus den Inland, besonders mit Kohlen bezahlt wird. |
|
| 35
So, der "Welthandel ist wissenschaftlich als verderbenbringend erkannt",
wo steht das? Wie soll sich denn überhaupt Ihrer Meinung nach ein
positiver Austausch unter den Völkern vollziehen? Ein solcher fängt
ja meines Erachtens beim Güteraustausch an und steigt über wissenschaftliche
und kulturelle Belange in rein geistige und politische Gebiete vor. |
|
| 36 Wenn es nach Ihnen ginge, so müsste
sich Deutschland hübsch und bescheiden in seinen kleinen übriggebliebenen
Schrebergarten setzen, seinen Kohl und seine Rüben pflanzen, "naturgemäss"
leben und im übrigen der "Welt" den Rücken wenden. Das ist meines
Erachtens nicht der ganz richtigen Weg. Ich bin absolut dagegen, dass Deutschland
sich auf Grund seiner Kohlen- und Stahlproduktion wieder militaristisch
rüstet, aber wenn, wie ja auch von seiten der Alliierten angestrebt
wird, Deutschland wieder ein gleichgestelltes und gleichgeachtetes Mitglied
der europäischen Völker werden soll, muss es auch ein gleichgestellter
und gleichgeachteter Geschäftspartner sein. |
|
| 37 Denken Sie doch nur an den Überfluss
an Waren in den südamerikanischen Staaten und Kanada. Europa und vor
allem Deutschland waren vor der Hitlerzeit grosse Abnehmer von Korn und
Wolle von dort. Wie sollen sich diese Völker auf die von Ihnen so
sehr geschätzte "Heimatwirtschaft" einstellen, wenn die klimatischen
und wirtschaftlichen Bedingungen sie zum Verbrennen ihres Überflusses
zwingen, während an anderen Stellen der Welt die Menschen verhungern. |
|
| 38 Es wäre zu erwägen,
ob nicht der gesamte Im- und Exporthandel der Welt von den Staaten geregelt
und überwacht werden muss, damit die gesamte Preispolitik, die Konkurrenz,
das Risiko, kurz die Weltwirtschaft auf einer vernünftigen Basis operiert.
Eine reine Heimatwirtschaft würde ein Abkapseln der Völker verursachen,
das unter Umständen gefährlich werden und zu einer Entfremdung
führen könnte, die die Brücken zwischen den Menschen verschiedener
Völker wieder abbrechen würde, die wir in der Zukunft so notwendig
brauchen und gerade wir Deutschen. |
|
| 39 Dabei wird ohne weiteres zugegeben,
dass Boden- und Naturpflege in Deutschland gefördert werden muss,
allein schon darum, weil unsere Importschulden nicht zu gross werden dürfen,
da wir zur Zeit und wahrscheinlich noch in weite Zukunft hinein, nicht
ausreichend lieferfähig sind. |
|
| 40 Aber eine politische und wirtschaftliche
Abkapselung ist m. E. aus obigen Grunden gefährlich. Deutschland ist
nicht ein Land wie Russland, das autarkisch leben kann. Es fehlen Deutschland
wesentliche Rohstoffe, jetzt auch wichtige Fabriken. Aber auch Russland
steht mit den andern Völkern in wirtschaftlichem Austausch. |
|
41
Die rein wirtschaftlichen Beziehungen der europäischen und überseeischen
Völker können sich absolut fruchtbringend und positiv gestalten,
wenn eine staatliche Kontrolle die "wilde" Preispolitik und Preisgestaltung
von Seiten der einzelnen Interessenten verhindert.
Helga Kaae,
Kopenhagen. |
|
42 Frieden
Grove, 12. 3. 47 |
|
| 43
In Kürze tritt die Fridenskonferenz zusammen, um über den Frieden
mit Deutschland zu beraten. Vielleicht hat sie schon begonnen, wenn diese
Zeilen im Druck erscheinen. |
|
| 44
Dass wir die Schuld am Kriege haben, steht fest, zugegeben! Und dass wir
wieder gutmachen müssen, ist auch klar. Man soll aber nicht wieder
in die Fehler von Versailles zurückfallen, dessen Auswirkung das Volk
in die Arme der N.S.D.A.P. warf. Wir wollen auch nicht von einem Frieden
der Gerechtigkeit reden. Sondern wir wollen von einem Frieden der Vernunft
reden. |
|
| 45 Auf das Wort "Vernunft" kommt es an.
Ich möchte jedem Teilnehmer der Konferenz zurufen: Lasst die Vernunft
walten! Fort mit Hassgefühlen, fort mit vielleicht berechtigtem Zorn.
Nummer 1 sei "Vernunft" und nochmals "Vernunft". So wie es bis jetzt gehalten
wurde, so geht es nicht, z. B. mit den Grenzen geht es auf keinen Fall.
Vernunft nicht um unsertwillen, nein um der ganzen Welt willen. |
|
| 46 Wir sind nun einmal das Herz Europas,
und wenn dieses Herz still steht, leidet ganz Europa darunter und zwangsläufig
auch die ganze Welt. Abgesehen davon, dass, ob man will oder nicht, eine
Art von Irredenta gezüchtet wird. Unruhen und Unfrieden wären
Trumpf, wenn ein Vernunftfrieden zu Grabe getragen würde. |
|
| 47
Zeige man doch dem deutschen Volke, dass man nach der gesunden Vernunft
handeln kann. Eines wäre dann gewiss. Die Welt würde erstaunen,
wie ruhig, friedlich und auch dankbar das deutsche Volk sein kann. |
|
| 48 Aus einem
Kinde, welches man zu sehr züchtigt, wird nie etwas gescheites, es
wird verstockt und bockbeinig. Würde man dies bei einem ganzen Volk
anwenden, dann würde ebenfalls niemals etwas gutes dabei herauskommen.
Wir appellieren deshalb an die Klugheit und den Scharf- und Weitblick der
Konferenz und hoffen, dass schliesslich doch die Vernunft siegen wird zum
Wohle aller Völker. |
|
49
Ein Vernunftfrieden mit einem deutsch-demokratischen Einheitsstaat, welcher
der Garant dafür ist, dass die Verpflichtungen, die in dem Frieden
dem deutschen Volke auferlegt werden, gehalten und treu befolgt werden.
K. Goth,
Grove b. Karup. |
|
| 50
Es wäre ein Glück für Deutschland, wenn es gelänge,
den Versailler Friedensvertrag wieder herzustellen. Leider ist damit nicht
zu rechnen. Der Frieden wird diesmal viel schwerer werden. |
|
| 51
Die Gefahr einer Irredenta liegt nicht vor. Polen weist alle Deutschen
aus seinem Verwaltungsgebiet aus. Bei Friedenschluss wird es ausserhalb
der deutschen Grenzen keine Deutschen geben, die eine Irredenta bilden
könnten. An die friedliche Gesinnung und Dankbarkeit des deutschen
Volkes glaubt man im Ausland nicht. Worte und Taten der Deutschen sprechen
nach Auffassung der Welt dagegen. |
|
52
Mit einem zentralistischen Einheitsstaat ist nicht zu rechnen, Deutschland
wird ein demokratischer dezentralisierter föderalistischer Bundesstaat
werden.
Die Redaktion. |
|
| 53 Verlorengegangene Koffer |
|
| 54
In der Nr. 1 der "Deutschen Nachrichten" lese ich in dem Abschnitt: "Der
Flüchtling und das Durchgangslager" folgendes: |
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| 55
"Nach Aussagen aller Beteiligten wird das Gepäck auf dem ganzen Wege
bis in das deutsche Lager ordentlich verladen und bewacht. Bisher wurde
kein Verlust bekannt." |
|
| 56
Meine Schwester wurde am. 14. 1. 47 über das Durchgangslager Kolding
nach Deutschland Biberach, französische Zone geleitet. Bei der dortigen
Gepäckausgabe fehlten ihre 2 Koffer, die sie bis heute noch nicht
erhalten hat. So sine ihre und noch 30 Gepäckstücke anderer Leute
wohl verloren gegangen, muss man doch annehmen. Wo sind die Gepäckstücke
abgeblieben? |
|
57
Man darf nur ein Gepäckstück als Handgepäck bei sich haben,
kann man da ohne Sorge nach Deutschland fahren, wenn derartiges vorkommt?
So geht manchem Flüchtling noch das Letzte verloren, das er gerettet
hat. Kann man da mit einem frohen Gefühl nach Deutschland fahren,
frage ich die "Deutschen Nachrichten".
Margarete Urban, Flüchtlingslager Rom. |
|
| 58
Im tiefsten Frieden, bei vollständig regelmässigem Eisenbahnverkehr
verschwinden in Deutschland jährlich Tausenden von Koffern, teils
sind sie schlecht verpackt, teils ist die Adresse falsch oder unzureichend,
teils werden die Koffer gestohlen. Das ist unangenehm für den, den
es trifft, aber unvermeidlich bei den Millionen und Abermillionen Koffern
und Paketen. |
|
| 59
Viel schwieriger sind die Verhältnisse jetzt, wo alles drunter
und drüber geht. Aus eigener Kenntnis der Dinge wissen wir, dass die
Behörden sowhol in Dänemark wie in Deutschland alles erdenkliche
tun, um den Transport des Gepäckes zu sichern. |
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60
Wenn trotzdem hier und da Koffer verschweinden, ist das tief traurig, aber
nicht zu ändern.
Verlustmeldungen sind
in Dänemark an die Lagerleiter, in Deutschland an die Eisenbahndirektionen
zu richten. Im übrigen wünschen wir allen Landsleuten eine freudige
Stimmung für die Rückreise, selbst wenn der eine oder andere
Koffer dabei draufgehen kann.
Die Redaktion. |
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| 61
D |
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| 62
A |
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| 63
Z |
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| 64 A |
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| 65
I |
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| 66 Ü |
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| 67
" |
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| 68 D |
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