| Zurüch zum Inhalt. |
Tilbage til indhold. |
Aus den "Deutschen Nachrichten" |
Fra den tyske avis |
Einzelne Lager |
Om de enkelte lejre |
Deutsche Nachrichten 1947 Nr 5
vom 3. Februar 1947 |
Deutsche Nachrichten 1947 nr 5
fra 3. februar 1947. |
| Wochenschwatz #1. |
|
| 1 Das ist Demokratie |
|
| 2 "Wir
sind von Hitler genügend dumm gemacht worden, lasst uns in Ruhe mit
Eurer Aufklärung". Das sagte eine ehemalige BDM-Dame, die jetzt die
Kleinkinderbetreuung leitet, als sie zu einem demokratischen Diskussionsabend
eingeladen wurde. Schlimm, sehr schlimm für eine ehemalige aktive
BDM-Angehörige, die jetzt unsere Kleinsten betreut, dass sie in den
1½ Jahren seit der Kapitulation nicht mal bildungsmässig zu
dem grossen, die brennende Zeit umspannenden Weltbegriff "Demokratie" hingefunden
hat, ja nicht mal die elementarste Kenntnis davon besitzt. |
|
| 3 Aber seien wir gnädig, bei
welchem Flüchtling oder Lagervormann, bezw. Posteninhaber, ja bei
welchem kulturell Tätigen ist diese Kenntnis schon weit grösser?
Bei den meisten erschöpft sie sich damit, dass sie mit den Daumen
über der Schulter nach dem Zaun zeigen und höhnisch fragen: Ist
das Demokratie? Jeder Flüchtling sehnt sich nach Frieden, Klarheit,
Gerechtigkeit, Anstand, gegenseitiger Achtung, kurz gesagt nach einem vollen
Vertrauen zu seinem Mitmenschen im engeren und weiteren Sinne. |
|
| 4 Er sieht, wie vielfach diejenigen,
die im Lager einen Posten und etwas zu verteilen oder zu vergeben haben,
von einer kleinen Clique umschwärmt werden, so wie das Licht von den
Motten. Man versucht sich bei solchen Posteninhabern mit Geschenken, Gefälligkeiten
selbst entwürdigender Art und mit sonstigen Aufmerksamkeiten einzuschmeicheln,
um irgendwie besondere Vorteile zu erlangen, Rücksichtslosere schieben
sich selbst in Posten, um der Quelle näher zu rücken, aus der
sie dan schon etwas "erben" werden, weil sie dafür fachmännische
Erfahrungen bei Hitler sammelten. |
|
| 5 Die Günstlingswirtschaft beginnt
allmählich anzulaufen. Der Flüchtling steht am Fenster und siest
es und allmählich so misstrauisch, dass er in jedem eingewickelten
Päckchen, das ein anderer unter den Arm geklemmt hat, ein Stück
Speck aus der Küche oder etwas ähnlich Ungesetzliches vermutet. |
|
| 6 Kommt dann aber einer, dem diese
Ungerechtigkeit und Unzuverlässigkeit bei Verteilungen oder Postenbesetzungen
über die Hutschnur geht und er schlägt Krach oder beschwert sich
für di anderen mit, dann wird die schmutzigste Lügenkampagne
von dem Postenjäger über diesen gerecht Denkenden eröffnet.
Die von dem ersteren Begünstigten und Freunde kurbeln die Hetze gründlich
an,so wie sie es bei Goebbels lernten und leider stimmen viele einfältige
Flüchtlinge mit ein in der Hoffnung, sich dadurch als letzte Günstlingsgruppe
bei dem Allgewaltigen einzuschmeicheln. |
|
| 7 Der Beschwerdeführer übte
für sich und seine benachteiligten Leidensgenossen Kritik an der "Sache",
an der Ungerechtigkeit. Die Angegriffenen stehen darauf garnicht Rede,
sie zerschmettern nur die "Person", suchen nach deren persönliche
Schwächen, bauschen auf, verdrehen, lügen usw., bis jenem "kein
Hund mehr aus der Hand frisst" und damit sind weitere Neugierige gewarnt,
nochmals von der Sache selbst oder gar von dem Posteninhaber zu sprechen. |
|
| 8 Es glaubt dem Gesteinigten keiner
mehr, man hört garnicht zu, er ist eben ein Meckerer geworden. Wer
hat solche Begebenheiten nicht schon miterlebt? Und wer urteilte nach Vernunft
und nicht nach persönlichem Nutzen? |
|
| 9 Dieses "System"
ist das Gegenteil von Demokratie. Es ist das System, wo die Minister und
Gauleiter sich selbst und ihrem Anhang die grossen Besitztümer und
Vermögenswerte zuschoben, ohne das Volk zu befragen, das System, womit
der Bauer seine fettige Schmunzelkarte beim Kaufmann hintenherum abgab,
um dann vorne alles zu bekommen, was uns vorenthalten blieb, das System,
wor der Molkereibesitzer die Butter, der kleine Sattlermeister die Ausgebombten-Koffer,
der solcherart geschulte deutsche Lagerleiter später die geringen
Sachenbestände erstmal an die verschoben, von denen sie Nutzen hatten. |
|
| 10 Es ist das System der Korruption,
der Schieber- und Günstlerwirtschaft in Reinkultur, womit man das
seit 1914 im Verblühen begriffene Pflänzschen "Vertrauen" mit
Stumpf und Stiel ausrottete. Es ist eben das vielgepriesene Führersystem,
die Ausnutzung einer persönlichen Machtbefugnis, die der Ungerechtigkeit
Tor und Tür öffnet und Hass und Neid züchtet, die umgedrehte
Parole "Eigennutz geht vor Gemeinnutz", die unweigerlich zum Zerfall der
Gesellschaft führen muss. Der Mensch ist gut, aber er ist Materialist
und das verdirbt ihn. |
|
| 11
Was ist nun Demokratie? Der dänische Professor Hal Koch hat das in
einer Artikelserie "Was ist Demokratie?", die von den "Deutschen Nachrichten"
abgedruckt wurde, sehr eindrucksvoll -- leider zu wenig beachtet -- geschildert.
Er betont einmal, dass die Demokratie die Grundlage für das kommende
Europa wird, zum andern, dass sie eine seit 2000 Jahren sich aufwärts
ringende Lebensform, also nicht nur eine Staatsform ist. |
|
| 12Wort oder Schwert, das sind die Gegensätze.
Die Schwerttheorie handelt rücksichtslos, mit Gewalt und Macht.
Der Demokrat verhandelt, diskutiert. Es gibt auf dieser Erde kaum Gegensätze,
die sich nicht durch gegenseitige Aussprache aus der Welt schaffen liessen,
wenn beiderseits der gute Wille vorhanden ist. Man soll aber, wie Hal Koch
richtig betont, diese demokratische Lebensform erst mal im engeren Familienkreis,
dann weiter mit Bekannten, Landsleutenund schliesslich in Volks- und Staatsfragen
zur Anwendung bringen. |
|
| 13 Wir sollen also eine strittige Sache,
einen Gegensatz solange besprechen und verhandeln, bis wir einig sind.
Dazu gehört eben, dass wir uns über die fraglichen Punkte beiderseits
aufklären, immer bemüht, eine friedliche Lösung zu finden.
"Wie willst du bei und Frieden schaffen" ruft mancher wutschnaubend aus,
der so mit 20 oder mehr eigensüchtigen Leidensgenossen zusammen haust.
Dass besonders der Deutsche gern zum "Entweder -- oder" und weniger zu
friedlichen Verhandlungen neigt, ist bekannt, ebenso, dass er in jeder
Kritik gleich einen Vorwurf sieht, den er übelnimmt. |
|
| 14 Das sind eben Eierschalen eines verflossenen
Systems, die sich ein demokratischer ABC-Schütze zuerst abgewöhnen
muss. Offene Kritik ist die erste Voraussetzung der Demokratie, denn sie
veranlasst zum Nachdenken und zur Aufklärung. Der Kritiker kann recht
haben -- darum prüfen wir's -- er kann sich auch irren, das ist menschlich.
Er greift an. Wehren wir ab oder anerkennen wir? Also was meint er? Hören
wir ihn wenigstens an, widerlegen wir ihn mit besseren Gedanken und verschliessen
wir uns keiner besseren Erekenntnis, die zum Frieden führen kann. |
|
| 15Wir waren ja früher auch ganz verträgliche
Menschen, bei denen die gegenseitige menschliche Hilfe Selbstverständlichkeit
war. Uns hat nur die Ungerechtigkeit von oben verdorben. Wenn alles gerecht
zugeht, ist kein vernünftiger Mensch neidisch. Nun sind wir alle arm,
brauchen alles und vieles sehr sehr dringend. Und wenn dann unsere dänischen
Gastgeber bei der allgemeinen Knappheit an Waren doch noch etwas für
uns auftreiben konnten, dann erleben wir vielfach, dass solche Sachen mehr
oder weniger nach Gunst verteilt werden. |
|
| 16 Wo soll da Vertrauen oder Harmonie herkommen?
Man kann leicht über die Ungezogenheiten, die Verdorbenheit der Flüchtlinge
schimpfen, hat man aber auch immer alles getan, um ihrem Verlangen nach
Vertrauen Rechnung zu tragen? Wo soll der Einzelne sich -- wie oben gesagt
-- an die demokratische Lebensform gewöhnen, wenn er täglich
sieht und feststellt, dass er dabei der Dumme ist. |
|
| 17 Deshalb
müssen schon vorerst alle die Posteninhaber im Lager einschl. Vertrauensmann
immer nur an die ganze Gemeinschaft denken, sie müssen bis ins Kleinste
gerecht, wahr und klar sein. Keine Geheimniskrämerei: wer flüstert,
der lügt oder betrügt. Alle Betreuer müssen sich bei allen
ausserordentlichtn Verteilungen, die ja nie alle befriedigen, bemühen,
das erste wie das letzte Stück erst in die Hände eines Flüchtlings
zu legen, wenn die ganze Stuben- oder Hausgemeinschaft eingesehen hat,
dass nunmehr die bestmögliche Gerechtigkeit geübt wird und dieser
eine in diesem Fall tatsächlich der Bedürftigste ist. |
|
| 18 Das ist der einzige Weg zum Vertrauen
und er muss beschritten werden, wenn wir den Glauben an Demokratie überhaupt
erwecken wollen. Wer ein Amt hat, muss sauber sein, er muss sich überwaschen
und kritisieren lassen, sonst macht man ihm berechtigte Vorwürfe und
er sollte wenigstens Mut, Anstand und Ehrgefühl besitzen und abtreten.
So gehts aber nicht weiter. Wir brauchen in Deutschland eine ehrliche,
willensstarke Gemeinschaft, wenn wir alle zusammen unsere Lasten tragen
und unsere Sorgen beseitigen wollen. Als Eigenbrötler gehen alle zu
Grunde! Ist das jedem klar? Wir sind doch ein Volk. |
|
| 19
Der Organisationsplan einer demokratischen Lagergemeinschaft soll den Weg
erleichtern. Der Vertrauensmann ist -- den Flüchtlingen gegenüber
-- ihr verantwortlicher und zu Rechenschaft verpflichteter Geschäftsführer,
der mit dem Lagervorstand die Flüchtlingsfragen bespricht und beschliesst
und das Ergebnis dem dänischen Lagerleiter vorträgt. |
|
20 Neben diesem Hauptparlament gibt es
ein erweitertes unter Hinzuziehung der Blockmänner, ein noch erweitertes
mit den Haus- oder Stubenvormännern. Je grösser der Kreis, der
mitraten und beschliessen kann, desto grösser das Vertrauen. Jeder
Flüchtling hat den Instanzenweg innezuhalten und kein Vormann oder
Vertrauensmann darf diesen Weg durch Eigenmächtigkeit sabotieren.
Jeder Flüchtling muss die ganze Verwaltung, die Tätigkeit seiner
Betreuer und die überzeugende Gerechtigkeit und Wahrheit klar vor
sich sehen, dann erst geht es mit uns allen aufwärts.
R. Mahlo,
Flüchtlingslager Skallerup Klit, Hjörring. |
|
| 21 Schuldenregelung im Osten |
|
| 22
Vom Lagergericht Aalborg, Thistedvejen, haben wir folgende Anfrage erhalten: |
|
| 23
"Ein Flüchling unseres Lagers, der in Nr. 34 der Deutschen Nachrichten
den Artikel über "Schuldenregelung im Osten" gelesen hat und der aus
der Danziger Niedelung flüchten musste, hat eine Forderung aus Verkauf
von Futterrübensamen von seinem Grundstück im Freistaat Danzig
an die Firma W. v. Bielefeld. Des weiteren hat er Forderungen aus Verkauf
von Ernteerträgen und aus Milchlieferungen. |
|
| 24
Wir bitten namens dieses Flüchtlings um Mitteilung, ob und wo die
erwähnten Forderungen geltend gemacht werden können." |
|
| 25 Da die
Angelegenheit viele Flüchtlinge interessieren kann, teilen wir hier
die Antwort mit, die der Flüchtlingsausschaus dem Lagergericht gegeben
hat: |
|
| 26
"Es wird dem Flüchtling empfohlen, sich an die Firma B. zu wenden.
Möglicherweise erkennt die Firma die Berechtigung der Forderung an;
ist das nicht der Fall, muss die Firma bei den Gericht ihres Wohnsitzes
verklagt werden." |
|
| 27 Kommunismus und Sowjetunion |
|
| 28
Wehrter Herr Spatz! |
|
| 29
Wenn ich mir in den "Deutschen Nachrichten" Ihre Artikel durchlese, so
fällt es mir auf, dass meistens von Demokratie darin die Rede ist.
Wie wir erfahren, soll bezw. wird das neue Deutschland auf demokratischer
Grundlage neu entstehen. Was das heisst, haben wir durch Ihre Artikel und
die Schrift von Prof. Hal Koch, die in den D. N. veröffentlich war,
erfahren und uns so ein Urteil bilden können. |
|
| 30 Doch das ist nicht der Sinn meines Briefes,
sondern ich wollte mich bei Ihnen einmal über die anderen z. Zt. in
Deutschland bestehenden Parteien erkündigen. Die CDU ist ja wohl wie
der Name schon sagt, eine Partei, die z. T. einen kirchlichen Charakter
trägt. Doch die KPD, Kommunistische Partei Deutschlands, das ist etwas,
worunter gerade wir Jugendlichen uns eigentlich wenig vorstellen können. |
|
| 31 Zur Zeit der Machtübernahme waren
wir ja Kinder, die noch nicht einmal zur Schule gingen. Unwillkürlich
müssen wir, wenn das Wort Kommunismus fällt, an Strassenkämpfe,
rote Fahnen und totgeschlagene Hitlerjungen denken. Von den politischen
Vorgängen damals hatten wir ja nur durch nationalsozialistisch kontrollierte
Schriften eine Vorstellung. Was wir darin lasen, hat uns nicht gerade für
den Kommunismus eingenommen. |
|
| 32 Wir wissen, dass die einzige in Russland
zugelassene, die Kommunistische Partei ist, dass Russland ein Diktaturstaat
ist, wie Deutschland es auch war, nur in anderer Ausführung. Können
Sie, Herr Spatz, nicht einmal einen Aufsatz über die wahren Ziele
des Kommunismus in den D. N. veröffentlichen, denn schliesslich müssen
doch gerade wir Jugendlichen uns klar darüber werden, welcher partei
wir einmal angehören wollen. |
|
| 33 Einfach zu sagen, ich will einmal ein
guter Demokrat werden, wenn ich die Ziele anderer Parteien nicht kenne,
halte ich nicht für richtig. Auch meine Kameraden sind dieser Ansicht.
Das einzige, was wir über die politische Einstellung der Kommunisten
erfuhren, war der Artikel "Gibt es in Russland Demokratie?", den Sie Horst
Zachas in der Nr. 34 der D. N. mit einer Gegenüberstellung: Demokratie
des Ostens -- Demokratie der Westmächte beantworteten. Darin war die
Rede von der Wirtschaftspolitik Russlands. |
|
| 34 Diese allein kann doch aber nicht der
Grund sein, dass in Russland keine anderen Parteitn als die kommunistische
bestehen dürfen. Weshalb werden dort die Leute verfolgt, die eine
andere politische Meinung als die Regierung haben? Wozu sind solche Gewaltmassnahmen
notwendig? Wenn der Kommunismus wirklich das einzig richtige für Russland
ist, wird dieser dort doch wohl nicht viele Gegner haben, denn meiner Ansicht
nach müsste der Durchschnittsrusse doch mit dem Kommunismus einverstanden
sein. |
|
| 35 Dadurch, dass man in Russland Nichtkommunisten
einfach verhaftet, wird doch der Kommunismus nicht nur im russischen Volk,
sondern auch im Ausland als brutal und ungerecht verschieen. |
|
| 36 Vielleicht mit Recht, vielleicht aber
auch zu unrecht. |
|
| 37 Das festzustellen möchte ich Ihnen
überlassen, denn ich bin über die wahren Zustände in Russland
nicht genügend informiert. |
|
| 38
Nun möchte ich zum Schluss noch einmal bitten bald einen aufklärenden
Artikel mit den wesentlichen Programmpunkten der KPD in den "Deutschen
Nachrichten" zu veröffentlichen. |
|
39
Inzwischen bleibe ich mit freundlichen Grüssen
Horst Stürzebecker,
Aalborg-West (49-06) -- Bar. 18-7. |
|
40 Herrn
Horst Stürzebecker, Aalborg-West.
Ihren Wunsch, durch die "Deutscher
Nachrichten" über die Programme der einzelnen Parteien in Deutschland
informiert zu werden, halten wir für durchaus verständlich. Alle
in Deutschland zugelassenen Parteien nennen sich demokratisch und wollen
das deutsche Volk zu Wohlstand und Glück führen, allerdings auf
verschiedenen Wegen. |
|
| 41 Es gilt nun zu untersuchen, ob die einzelne
Partei die richtigen Wege dazu einschlägt, und die dazu geeigneten
Mittel anwendet, oder ob sie falsche Wege geht und durchaus ungeeignete
Mittel in Anwendung bringt. Es ist auch denbar, dass die Handlunger einer
Partei im Gegensatz zu ihrem Programm stehen. -- |
|
| 42
Sie haben also Recht, wenn Sie deshalb gern etwas über die verschiedenen
Partei-Programme oder die Ziele der Parteien wissen möchten, und wir
verstehen auch den besonderen Wunsch, über die Ziele der KPD. zu hören,
da Sie in den letzten 12 Jahren unter Hitler nur die Goebbels'schen Lügen
über die Kommunisten gehört und gelesen haben. |
|
| 43
Wir verweisen Sie auf die Nr. 40 der "D. N." vom vorigen Jahrf, wo wir
einen langen Artikel "Deutsche Parteien über sich selbst" veröffentlichten.
Über die Stellung der KPD zu den Lebensfragen Deutschlands konntenSie
dort u. a. folgendes lesen: |
|
| 44
Der Wille des Volkes muss oberstes Gesetz im neunen demokratischen Deutschland
werden. Dieser Gedanke ist das Leitmotiv der Wahlprogramme der KPD für
die verschiedenen Bezirke der britischen Zone. Die Gemeinde ist die kleinste
Parzelle des Staates. Soll das neue Deutschland wirklich demokratisch sein,
som müssen schon in der Gemeinde alle Grundsätze der Demokratie
lebendig wirken. Darum fordert die KPD die vollkommen souveräne Selbstverwaltung
für die Gemeinde. |
|
| 45 Die Selbstverwaltung in der Gemeinde
hat den Willen der Bevölkerung zu vollziehen und ist für ihre
Handlung nur dieser verantwortlich. Die Verwaltungsbeamten sihc nicht länger
Diener des Staates, sondern Vollstrecker des Volkswillenss, sie müssen
aufrechte Demokraten sein, die im Genuss aller politischen Rechte sind.
Ausarbeitung einer einheitlichen deutschen Gemeindeverfassung, die für
alle vier Zonen gültig ist. Die politische und wirtschaftliche Einheit
Deutschlands ist nur auf der Grundlage einer einheitlichen demokratischen
Selbstverwaltung der Gemeinden, Kreise und Provinzen möglich. |
|
| 46
Der militaristische Geist im deutschen Volke muss überwunden werden
durch eine grosse ideologische Offensive aller demokratischen Kräfte
gegen die Preussische Geschichtslegende. Die Durchführung der demokratischen
Schulreform, die breiteste Propagierung der deutschen Humanisten und der
grossen Demokraten aller Länder sowie die Vorbereitung einer der historischen
Wahrheit entsprechende materialistischen Geschichtsschreibung über
das Verden und die Entwicklung Deutschlands werden eine wirkliche demokratische
Umerziehung des deutschen Volkes ermöglichen. |
|
| 47
Die KPD verlangt die Auflösung der Trusts und Konzerne, die Enteignung
der Betriebe aller Kriegsverbrecher und Nazi-Aktivisten und die Überführung
ihrer Unternehmen in den Gemeinden und Provinzen in die Hand des Volkes. |
|
| 48 Heute
kann nicht von Sozialisierung gesprochen werden, weil es keinen deutschen
Staat und noch viel weniger einen sozialistischen Staat gibt, in dem die
Arbeiterklasse die politische Herrschaft bereits errungen hat. |
|
| 49
Die KPD tritt für die volle Glaubens- und Gewissensfreiheit aller
Bürger ein und wünscht die grösste gegenseitige Toleranz. |
|
| 50
Das Dritte Reich ist bankrott. Eine Konkursmasse ist nicht vorhanden. Entschädigungen
für Kriegsgeschädigte, Flüchtlinge und Ausgebombte können
nur nach sozialen Gesichtspunkten gewährt werden. Die hierfür
notwendigen Mittel sind durch Enteignung der Kriegsverbrecher, Kriegsgewinnler
und Nazi-Aktivisten aufzubringen und durch einen sozialen Ausgleichsfonds
zu verteilen. |
|
| 51
Die KPD fordert die Durchführung der Bodenreform, die Demokratisierung
des Dorfes, die Kontrolle der Selbstverwaltung über die Organisation
des Zentralamtes für Landwirtschaft und Ernährung, die Hilfe
der Industrie für die Landwirtschaft durch Bereitstellung von Kunstdünger
und Arbeitsgeräten, die Aufhebung der Zonengrenzen und die Erzeugung
industrieller Ausfuhrgüter, um die notwendige Lebensmitteleinfuhr
zu ermöglichen. |
|
52
Die KPD fordert die Errichtung der einheitlichen, unteilbaren parlamentarischen,
demokratischen deutschen Republik, an deren Spitze eine einheitliche Reichsregierung
steht, bei weitestgehender dezentralisierter Verwaltung der Provinzen und
Länder. Die KPD lehnt aber mit aller Entschiedenheit alle Arten des
Föderalismus oder Separatismus ab.
Die Redaktion. ( se videre #66) |
|
53 Unabhängig von Partei und Kirche
Ein Beitrag zur Diskussion |
|
| 54
Meine Gedanken, die ich mir über die Jugendarbeit gemacht habe, stimmen
in manchem mit dem überein, was andere geschrieben haben und doch
ist viel anderes und neues dabei. |
|
| 55
Ich bin der Meinung, dass die "ideale" deutsche Jugendbewegung unabhängig
von jeder Partei und Kirche sein muss. Das hat natürlich einen Haken,
dass nämlich dann die finanzielle Unterstützung fehlt. So müsste
der Staat helfen. Ihm wäre das Recht vorbehanten zu überwachen,
wie das Geld angewandt wird, er dürfte jedoch die Jugendbewegung nicht
nur Staatsjugend machen. Gruppen von 25-30 Jungen bezw. Mädel müssen
gebildet werden. Zwei Gruppen, je eine weibliche und eine männliche,
sind Geschwistergruppen, die in engem Kontakt zueinander stehen, jedoch
nicht ganz miteinander verschmelzen. |
|
| 56 Die Leitung von 4-6 Gruppen, 2-3 männlichen
und 2-3 weibliche, muss sowohl aus älteren umsichtigen Jugendlichen,
als auch für die Jugenderziehung befähigten Frauen und Männern
(Lehrer zum Beispiel) bestehen. |
|
| 57
Das Beitreten soll ganz freiwillig sein, doch wenn sich ein Jugendlicher
für eine Gruppe entschieden und sich zu ihr gemeldet hat, soll es
seine innere Pflicht und Schuldigkeit sein, der Gruppe so lange anzugehören,
bis ihn triftige Gründe zwingen, auszutreten. |
|
| 58
Wenn die Arbeit einer Gruppe die Jugendlichen nicht zusagt, muss er dies
bei der Leitung vorbringen dürfen, doch darf dies kein "Mechern" sein,
sondern positive Kritik, d. w. s., dass er mit einem anderen, seiner Meinung
nach beseren Vorschlag aufwarten kann, über den die Leitung dann diskutieren
kann. |
|
| 59
Die allgemeinen Gruppen sollen einmal in der Woche zusammenkommen. Alle
Jugendlichen sollen in erster Linie diesen Gruppen angehören. Der
Gruppenleiter soll von der Leitung eingesetzt werden, je nach seinen Fähigkeiten
und Begabungen. Es hat keinen Zweck, dass sich die Jugendlichen ihre Gruppenleiter
für ihre geschlossenen Gruppen selbst wählen. Vielmehr müssen
vor Aufstellung von Gruppen die Namen der Leiter allen Interessenten bekanntgegeben
werden, damit sie sich frei entscheiden können, zu welchem sie gehen
wollen. |
|
| 60
Jede Gruppe soll einen bestimmten Tag haben, an dem sie das Gruppenheim
in Anspruch nehmen darf, damit alles Benachrichtigen usw. entfällt,
und alle sich für diesen Tag am Nachmittag oder Abend freihalten können. |
|
| 61
Daneben schafft man Spezialgruppen, so für die Jungen, die besonderes
Gewicht auf die Fortbildung in Technik, in Kunstmalerei, in Nautik und
anderes legen, je nachdem, wie weit Interesse und Teilnehmer da sind. Für
Mädchen wäre vorzuschlagen, besondere Gruppen für Weben
und andere Hand-Arbeiten, Kochen usw. In den vereinten Geschwistergruppen
könnte auch Tanzunterricht gegeben werden. |
|
| 62
Ausserdem müssen die Gruppen nach Alter und Jahrgang geteilt weden,
um so ein unabhängiges Arbeiten zu ermöglichen. |
|
| 63
Zeltlager, Tippel- und Radfahrtouren müssen jeden Sommer auf dem Arbeitsplan
stehen. Dazu kann sich jeder ein tragen, der Freude daran hat. |
|
| 64 Alles
dieses sind Pläne, die noch mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen
haben, besonders weil die Bewegung unpolitisch sein und deshalb finanziell
vom Staat unterstützt werden soll, doch nicht, wie gesagt, zur Staatsjugend
nach dem Schema der HJ werden darf. |
|
65
In Klövermarken besteht eine Jugendgruppe, die man, wenn wir frei
wären, und das nötige Geld da wäre, in ungefähr dieser
Form aufbauen könnten. Die Pläne müssen aber, bis wir in
Deutschland sind, liegen bleiben. Jeden gesunden Jugendlichen wird es in
Deutschland in eine unpartelische, doch keineswegs politisch uninteressierte
Jugendbewegung ziehen.
Reimer Siebenfreund -- 18 Jahre. |
|
| 66 Über die Verhältnisse in der
Sowjetunion schreibt uns ein Kommunist: |
|
| 67
"Was die Verhältnisse in der Sowjetunion betrifft, so haben Sie gleichfalls
nur die schlimmsten Greuelmärchen erfahren können. Es ist richtig,
dass dort nur eine Partei, nämlich die Kommunistische Partei zugelassen
ist, aber Sie können wohl einsehen, dass es nicht zutreffend sein
kann, dass man dort alle Leute verfolgt, die eine andere politische Meinung
als die Regierung haben und dass man die Nichtkommunisten verhaftet. Sie
meinen selbst, dass der Durchschittsrusse mit dem Kommunismus einverstandensein
müsste, wenn es das einzig richtige für Russland ist. |
|
| 68 Dabei dürfen Sie nicht einfach
Kommunismus und Kommunisten mit der Politik der Sowjet-Union oder ihrer
Regierung gleichsetzen. Die Kommunistensind ja nur ein kleiner Teil der
Bevölkerung, wenngleich sie auch an fast allen entscheidenden Posten
im Lande stehen. Dort sind sie aber von der grossen Masse ihrer Wähler
hingesetzt worden und werden durch sie kontrolliert. Es ist ganz falsch
zu sagen, die Sowjet-Union ist eine Diktatur wie sie das Hitler-Reich war,
nur mit anderen Vorzeichen. |
|
| 69 Die Sowjet-Union hat eine demokratische
Verfassung; denn Demokratie heisst ja bekanntlich Volksherrschaft. Und
das Volk herrsch und regiert in der Sowjet-Union wirklich durch seine gewählten
Sowjets in den Gemeinden und Republiken, durch die Betriebsräte (ebenfalls
Sowjets genannt) und die Gewerkschaften. Die Politik der Sowjet-Regierung
ist also keine kommunistische Politik, sondern eine Politik des russischen
Volkes. |
|
| 70 Wer sich gegen diese Politik auflehnt
oder vergeht, handelt nicht gegen die Interesse der Kommunistischen Partei,
sondern gegen die Interesse des russischen Volkes. Dass diese Politik von
der übergrossen Mehrheit des Volke gebilligt wird, daran kann heute
nicht mehr gezweifelt werden. |
|
| 71
Denn wenn Sie nun einfach weiter denken: Hätte die Sowjet-Union diese
gewaltige industrielle und kulturelle Entwicklung in den kurzen Jahren
ihres Bestehens durchlaufen können, wenn nicht der Durchschnittsrusse
mit dem Programm seiner Regierung einverstanden gewesen wäre und nicht
fleissig gearbeitet hätte? Die Sowjet-Union hat dieses riesige Werk
vollbracht, trotzdem sie in all den Jahren ihres Bestehens von alle Seiten
angefeindet und lange Jahre mit Krieg und Bürgerkrieg -- vom Auslande
organisiert -- überzogen wurde. Und denken Sie an die gewaltige Leistung,
die das gesamte russische Volk im Kampf gegen Hitlers Krieg vollbracht
hat und die mit dem Sieg über eine Kriegsmacht endete, die sich für
unbesiegbar hielt. |
|
| 72 Wäre das möglich gewesen,
wenn man alle Nichtkommunisten verfolgt oder eingesperrt hätte? Es
handelt sich also bei den Verfolgungen und Verhaftungenden doch nur um
einen kleinen Kreis von Personen, und dann sind die Taten dieser Leute
meist enderer Natur (Spionage, Sabotage). Wenn in der Sowjet-Union auf
Grund der Erfahrungen mit den fremden Agenten und den eigenen Verrätern
schnell und vielleicht etwas härter zugegriffen wird als in Deutschland
und in den Ländern der sogenannten westlichen Demokratie, so hat wohl
der Erfolg, besonders also der Sieg über Hitlers Armee, diese Massnahmen
und Strenge voll gerechtfertigt. |
|
| 73 Das russische Volk hat sich behauptet
und wird, falls es in Zukunst in Frieden leben darf, weitere grosse Erfolge
in seiner technischen und kulturellen Entwicklung aufweisen können". |
|
|
|
|