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Aus den "Deutschen Nachrichten" |
Fra den tyske avis |
Einzelne Lager |
Om de enkelte lejre |
Deutsche Nachrichten 1946 Nr 46
vom 9. Dezember 1946 |
Deutsche Nachrichten 1946 nr 46
fra 9. december 1946. |
Wochenschwatz #1.
Die Rückkehr nach Deutschland #14.
Unser Schmerzenskind: Danzig von Willy Grashof, Klövermarken,
Bez. 7. Bar. 475.
#27. Antwort: #32.
von Gudrun Hardt, cand. mag., Tuberkulose-Hospital Broholm #34.
Svar: #41.
Krieg dem Kriege ... R. Mahlo, Skallerup Klit. #42.
Selbständigkeit von J. Nolte, #58.
Von Zone zu Zone #63.
Sinn für Humor von Frau Irmgard Brausewetter. #65.
Zwei Mahnungen 1) von Konrad Goth #69.
Antwort: #74. 2) von Frau Gertrud Frank, Rye.
#75. |
Ugens passiar
Tilbagekomsten til Tyskland.
Vort smertensbarn: Danzig.
Krigen imod krigen
Selvstændighed
Fra zone til zone
Sans for humor
To formaninger. |
| 1 Wochenschwatz von Jochen Spatz |
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| 2 Liebe
Landsleute. Kaum beginnen die ersten Konturenneuen politischen Lebens sich
aus den Nebeln des deutschen Niederbruchs zu lösen, da tönen
gleich wieder sattsam bekannte Seufzer politischer Unweisheit durch die
Lande. Wer von uns hätte nicht das Geschwätz von "unfruchtbaren
Parteienhader" vernommen, der alle Entwicklung hemme und alle Tatkraft
lähme? Und Hand aufs Herz! Wer hätte nicht schon verständnisinnig
mit dem Kpofe dazu genickt und sich eingereiht in die bekümmerte Seufzergemeinte? |
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| 3 Parteienhader!
Gezänk und Uneinigkeit! Gefeilsch um Posten, Einfluss, Gehälter
und andere Vorteile! Das Volk kann derweilen Steuern bezahlen, hungern
und frieren. Wenn es nur den Parteigrössen gutgeht! So wurden uns
ja die Parteien des Volksstaats von der einen partei geschildert, die zur
Alleinherrschaft strebte, nicht wahr? Und wir passten nur gar zu gern in
diesen keinen Gedankenarbeit fordernden Streifen, der vielen heute noch
im Gedächtnis schwirrt wie ein schnarrender, seichter Film. |
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| 4 Und
dann geht es weiter im Text: Nun kommen sie wieder, diese Parteien, und
zanken sich. Da war es zu Hitlers Zeiten doch besser, als es nur eine Partei
gab. Damals wirde nicht geredet. Da wurde gehandelt, gründlich gehandelt
sogar. Damals wurde etwas geschafft. |
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| 5 Freilich.
Sehr richtig. Etwas geschafft. Erste Spatenstiche, Reichsautobahnen, die
gewaltigste Aufrüstung zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Zwar wurde
dabei auch erheblich geredet. Doch immer nur von der einen Partei, die
ihren Mitläufern und Nachläufern trotz aller grossen Worte nicht
allzuviel auf die Nase band. Und darum sitzen wir heute hungernd hinter
Stacheldrähten oder in Trümmern und könne vor Schulden und
Sorgen nicht aus den Augen gucken. |
|
| 6 Wo
der Zusammenhang liegt? In der Tatsache, dass wir nur eine Partei in Deutschland
hatten. Eine alte Bauernregel lehrt uns verschmitzt: Einmal ist keinmal.
Wandeln wir sie ins Politische ab, so trifft sie den Nagel auf den Kopf.
Eine Partei ist keine Partei, weil der Gegensatz fehlt, die gegenseitige
Überwachung. Wo nur eine Partei lebt, beherrscht sie Volk und Staat
allein. Ja, sie gibt vor, der Staat zu sein, nicht einmal zu Unrecht. Sie
kann mit dem Volke schalten und walten wir ihr beliebt, denn es redet ihr
niemand drein. Wer Einwände wagt, stellt sich ausserhalb. Er wird
als Staatsfeine mit Vernichtung bedroht. |
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| 7 Kurzum,
im Einparteistaat gibt es kein Gegengewicht gegen die herrschende Schicht.
Weder die Einnahmen noch die Ausgaben der Staatskasse kommen natürlich
zustande, nämlich durch Abwägen, Ausgleichen, Unterhandeln und
Feilschen. Sie werden ganz einfach verordnet. In der Politik nach innen
und aussen ist es das Gleiche. Das Volk wird zum Wertstoff in den Fäusten
der robusten Machthaber herabgewürdigt. |
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| 8 Das
ändert sich gründlich, wo sich das Volk in Parteien gliedert,
die unterschiedliche Auffassungen über die Rechte und Pflichte der
Gesamtheit haben. In einem solchen Staate ist es unmöglich, die Kenntnis
von den Einnahmen und Ausgaben der Staatskasse zu einer Geheimwissenschaft
zu machen. Schwerwiegende Entschlüsse lassen sich nicht lange verschleiern,
weil die Parteien im Wettstreit um die Gunst des Volke eifersüchtig
darüber wachen, ihrer Bedeutung entsprechend ins Bild gesetzt zu werden.
Da heisst es, öffentlich Rede und Antwort zu stehen. |
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| 9 Darum ist
et gut, Parteien zu haben, die ihre Weisheit zu Markte bringen und ihre
Gegensätze vor den Augen des Volkes austragen. Nur muss dieser Meinungskampf
nach gewissen Regeln des Anstandes durchgeführt werden. Tiefschläge
und Beinstellen sind nicht nur im Boxring abscheulich. Sie sind auch im
politischen Leben verwerflich. |
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| 10 Versteht
ihr, wie ich es meine? Dann will ich für jene, die zögern, mir
recht zu geben, mit einem Beispiel schliessen. In Deutschland muss möglichst
bald den Ostflüchtlingen und Ausgebombten geholfen werden. Wer soll
den Lastenausgleich beschliessen, der ihnen allen die bescheidene Grundlage
eines neuen Daseins gewährleisten muss? Eine durch Einparteisystem
bestellte, allmächtige Regierung? Wie würde sie entscheiden?
Nach Recht und Billigkeit? Nein. Nur nach den Gesichtspunkten ihrer eigenen
Machtvollkommenheit. Eine Partei der Ungeschädigten, die alles aus
diesem Kriege gerettet haben? Nein. Die Opfer des Krieges würden dabei
vor die Hunde gehen. Eine Partei der Flüchtlinge und der Ausgebombten?
Ebenfallds nein! Denn eine solche Partei müsste naturnotwendig (mit
Rücksicht auf die Natur des Menschen!) Forderungen stellen, die vom
Volksganzen nicht getraten werden könnten. |
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| 11 Merkt
man, worauf ich hinaus will? Nur aus den Gegensätzen verschiedener
Auffassungen wird das für alle erträgliche Mittelmass gefunden.
Im abwägenden Zusammenwirken auseinanderstrebender Kräfte werden
Beschlüsse gefasst, die der Gesamtheit des Volkes dienlich sind. |
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| 12 Darum
lasst uns nicht auf die Parteien schimpfen. Lasst uns nur zusehen, dass
wir in Deutschland nicht wieder wie früher das Parteienwesen zum Parteienunwesen
machen. Wir Deutschen sind da ein wenig eigenartig. Sobald der Zügel
ein wenig gelockert wird, meinen wir leicht, es sei das Recht eines jeden
hergelaufenen Bäckermeisters, der zu wenig für seine Brötchen
bekommt, einen eigenen Parteiladen aufzumachen. Eine Bäckermeisterpartei
ist aber keine Partei, so wenig wie eine Allein-Partei diesen Ehrennamen
verdient. |
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13Ein kluges Volk kan gut gedeihen
durch Meinungskampf und Gegensatz
von etwa drei bis fünf Parteien.
In diesem Sinne Jochen Spatz. |
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14 Die Rückkehr nach Deutschland
Der Militärkommandant der französisch
besetzten Zone hat bekanntlich die Zusage gemacht, ausser den 2000 in dieser
Zone ansässigen Flüchtlinge weitere 10.000 zu übernehmen.
Offiziell wird von dänischer Seite
mitgeteilt, dass zwei Vertreter der französischen Militärbehörden
der Besatzungszone, Hauptmann Viel und Hauptmann Bruckere, im Aussenministerium
über die praktischen Fragen der Rückkehr in die französische
Zone verhandelt haben. Von dänischer Seite nahmen unter anderm der
Leiter der Flüchtlingsverwaltung, Minister a. D. Johannes Kjærbøl,
der Kontorchef im Aussenministerium B. Dons-Møller und der Verkehrsverwalter
der Staatsbahn, Johnsen, teil. |
Tilbagekomsten til Tyskland
Militærkommandanten i den
franske zone har som bekendt afgivet tilsagn om udover de 2000 flygtninge,
der er kommet til denne zone at modtage yderlige 10.000 flygtninge.
Officielt meddeles det fra dansk
side, at to repræsentanter for de franske militærmyndigheder
i besættelseszonen, kaptajn Viel og kaptajn Bruckere, i udenrigsministeriet
har forhandlet de praktiske spørgsmål om hjemkomsten til den
franske zone på plads. Fra dansk side deltog bl. a. lederen af flygtningeadministrationen,
tidligere minister Johannes Kjærbøl, kontorchefen i udenrigsministeriet
B. Dons-Møller og direktøren for Statsbanerne, Johnsen. |
| 15 Die Rücksendung
beginnt am Sonnabend, den 14. Dezember. Jede Woche werden ungefähr
1000 Flüchtlinge abreisen. Das vorläufige Reiseziel für
die in der französischen Zone beheimateten Flüchtlinge ist ein
Durchgangslager bei Worms. Die übrigen 10.000 werden vorerst auf die
Lager Offenburg und Biberach (östlich von Strassburg) verteilt. Die
Übernahme dieser Flüchtlinge soll bis Februar durchgeführt
werden. |
Tilbagesendelsen begynder lørdag
den 14. december. Hver uge vil cirka 1000 flygtninge rejse ud af landet.
Det foreløbige rejsemål for de flygtninge, der hører
hjemme i den franske zone er en gennemgangslejr ved Worms. De øvrige
10.000 bliver i første omgang fordelt på lejrene Offenburg
og Biberach (øst for Strassburg). Overtagelsen af disse flygtninge
skal være tilendebragt i slutningen af februar. |
16 Deutsche Zeitungen berichten:
Hamburg (DPD): Der erste Transport mit 1000 deutschen Flüchtlingen
aus Dänemark traf am Freitag um Mitternacht, ans Flensburg kommend,
in Hamburg ein, um nach einstündigem Aufenthald nach Osnabrück
weiterzufahren, wo ein Durchgangslager die Rückkehrer für wenige
Tage aufnehmen wird.
Der Transport setzt sich zusammen aus
einigen Familien, etwa 150 Männern -- meist über 50 Jahre --
rund 350 Kindern bis zu 15 Jahren, darunter 7 in Dänemark geborene
Säuglinge und 500 Frauen, die aus dem grössten dänische
Internierungslager, Oxböl bei Esbjerg kommen. Diesem ersten werden
weitere Transporte folgen. |
Tyske aviser beretter:
Hamburg (DPD): Den første transport med 1000 tyske flygtninge
fra Danmark ankom fredag ved midnatstid fra Flensborg til Hamburg, for
efter en times ophold at køre videre til Osnabrück, hvor en
gennemgangslejr skal optage de hjemvendte for nogle få dage.
Transporten består af nogle familier,
cirka 150 mænd -- for det meste over 50 år gamle -- omkring
350 børn op til 15 år, herunder 7 spædbørn født
i Danmark og 500 kvinder, som kommer fra den største danske interneringslejr
Oksbøl ved Esbjerg. Flere transporter vil følge efter. |
17 So leben die Deutschen in Dänemark
Es geht diesen deutschen Menschen
in Dänemark nicht schlecht. Sie leben in Lagern, die sich im Laufe
der Zeit zu einer kleinen Siedlung mit einer fest zusammenhaltenden Gemeinde
entwickelt haben. Von der Schneiderstube, dem Friseur, den verschiedensten
handwerklichen Betrieben, in die junge Menschen sogar in die Lehre gehen
können, über Volks- und Oberschulen, Theater und Varieté,
eine achtseitige, wöchentlich einmal erscheinende Lagerzeitung bis
zur Badeanstalt mit warmen Wannenbädern und einem ausgedehnten Gesundheitsdienst,
der eigene Lazarette unterhält, fehlt nichts. |
Således lever tyskere i Danmark
Det går ikke tyskerne i
Danmark dårligt. De lever i lejre, som i tidens løb har udviklet
sig til en lille bosættelse med en fast sammentømret menighed.
Fra skrædderværkstedet, frisørsalonen, de forskellige
håndværksfag, hvor unge mennesker endog kan komme i lære,
over folkeskoler og højere skoler, teater og varietéer, til
en ottesiders ugeavis og badeanstalten med varme karbad og en udmærket
sundhedstjeneste, som har eget lazaret, mangler intet. |
| 18 Vor allem aber sind die geeigneten Fachkräfte
-- besonders in den grossen Lagern, die sich der einzelnen Einrichtungen
annehmen, vorhanden. Universitätsprofessoren und Schullehrer leiten
den Unterricht und haben ein umfassendes Volksbildungswerk ins Leben gerufen,
in dem die Fremdsprachenkurse stark im Vordergrund stehen. Bewährte
Ärzte führen die Gesundheitsabteilungen, und bekannte Schauspieler
wirken im Lagertheater in Oxböl, dessen Intendant vom Danziger Staatstheater
kommt. |
Men fremfor alt er de egnede fagkræfter til stede -- især
i de store lejre, der kan tage sig af de enkelte indretninger. Universitetsprofessorer
og skolelærere leder undervisningen og har kaldt et omfattende folkedannelsesværk
til live, idet fremmedsprogskurserne står stærkt i forgrunden.
Erfarne læger leder sundhedsafdelingerne, og bekendte skuespillere
virker i lejrteatret i Oksbøl, hvis intendant kommer fra Danzig
byteater. |
19 2500 Kalorien täglich
Das Essen ist durchaus ausreichend.
Es gibt 2500 Kalorien täglich und zwar in erster Linie eine warme
Mahlzeit, die in der Gemeinschaftsküche eines jeden Blocks zubereitet
wird, sowie wöchentlich durchschnittlich 140 Gramm Fett, 175 Gramm
Wurst, 100 Gramm Käse und ausreichend Brot. Kinder bis zu 15 Jahren
erhalten täglich einen Liter Vollmilch. |
2500 kalorier dagligt
Maden er helt igennem rigelig.
Man får 2500 kalorier pr dag og det med i første række
et varmt måltid, som bliver tilberedt i fælleskøkkenet
i hver blok, dertil ugentligt gennemsnitligt 140 gram fedt, 175 gram pølse,
100 gram ost og tilstrækkeligt med brød. Børn op til
15 år får dagligt en liter sødmælk. |
| 20
Eine junge Lehrerin, die im Lager aktiv mitgearbeitet hat, meinte anerkennend:
"So viele Anregungen wie im Lager hatte ich vorher niemals gehabt". "Trotzdem",
so furht sie fort, "ist es auf die Daurer gesehen, kein Zustand, hinter
Stacheldraht zu leben. Wir wollen doch alle wieder einmal anfangen. Das
Lager aber ist ein toter Punkt, der sich nicht überwinden lässt".
(Norddeutsches Echo) |
En ung lærerinde,
som aktivt har arbejdet med i lejren, mente anerkendende: "Så mange
udfordringer som i lejren har jeg aldrig tidligere haft". "Trods det",
fortsætter hun, "er det, set i det lange perspektiv, ikke noget liv
at leve bag pigtråd. Vi vil dog allesammen gerne omsider begynde.
Men lejren er et dødpunkt, som ikke lader sig overvinde". (Norddeutsches
Echo). |
| 21 In den
letzten Jahren haben wir vielerlei Flüchtlinge gesehen: solche, die
aus den bombardierten Städten des Westens nach Mittel- und Ostdeutschland
flohen und zu einer späteren Zeit wieder westwärts zogen, tage-
und wochenlang in Trecks, die vielen Menschen aus dem Gebiet westlich (sic)
der Oder, die zum grossen Teil ihre Heimat in der britischen Zone finden
sollen. Ihnen allen waren Elend und grauenvolles Erleben vom Gesicht zu
lesen, ihre Kleidung zeigte die Not. |
I de senere år har vi set
mange slags flygtninge: de, der flygtede fra de udbombede byer i vesten
til Midt- og Østtyskland og senere igen drog mod vest, i dage- og
ugevis på farten, de mange mennesker fra området vest for Oder,
der for største delen skal finde deres hjem i den britiske zone.
På dem alle kunne man i deres ansigter læse elendighed og grusomme
oplevelser, deres klæder viste deres nød. |
| 22
Die Flüchtlinge aus Dänemark, die in Osnabrück eintrafen,
machten einen ganz anderen Eindruck. Trotz einer tagelangen Fahrt mit der
Eisenbahn und einem mehr als anderthalbjährigen Aufenthalt hinter
Stacheldraht sahen sie gepflegt und frisch aus. Die Kinder, nach der langen
und ungewohnten Reise müde, spielten einen Tag später quicklebendig
auf dem Rasen des Lagers Lüstringen, wo wir sie besuchten. |
De flygtninge fra
Danmark, der ankom til Osnabrück, gjorde et helt andet indtryk. Trods
en rejse i dagevis med jernbane og et mere end halvandet år langt
ophold bag pigtråd så de velplejede og raske ud. Børnene,
trætte efter den lange og uvante rejse, legede en dag senere spillevende
på græsplænen i lejren Lüstringen, hvor vi besøgte
dem. |
| 23 Der Transport
zählte etwas mehr als 1000 Menschen. Die Hälfte davon waren Frauen,
ein Viertel Männer und ein Viertel Kinder bis zu 15 Jahren. Sieben
von diesen Kindern wurden im Lager geboren. In der deutschen Grenzstadt
Flensburg hatten Rote-Kreuz-Schwestern eine kräftige warme Suppe verteilt,
die in der Kühle des Novemberabends gut bekam und eine angenehme Abwechslung
der Reiseverpflegung darstellte, die sich aus Brot, Margarine, Wurst, Marmelade
und Milch für die Kinder zusammensetzte. Die Flüchtlingsfrauen
erzählten, dass die Verpflegung in Lager Oksböl besser gewesen
sei als in der britischen Zone. |
Transporten talte lidt mere end
1000 mennesker. Halvdelen deraf var kvinder, en fjerdedel mænd og
en fjerdedel børn under 15 år. Syv af disse børn blev
født i lejren. I den tyske grænseby Flensborg havde Røde-Kors
sygeplejersker uddelt en kraftig varm suppe, som gjorde godt i novemberaftenens
kulde og var en behagelig afveksling i rejseforplejningen, som bestod af
brød, margarine, pølse, marmelade og mælk til børnene.
Flygtningekvinderne fortalte, at forplejningen i Oksbøllejren havde
været bedre end i den britiske zone. |
| 24
Auch das Lager Lüstringen, das der Militärregierung unterstellt
ist, sorgt für die Flüchtlinge gut. Sie erhalten mittags eine
warme Mahlzeit und im übrigen Brot, Butter und Marmelade. Für
den letzten Rest der Reise bekommen sie Wurstbrote. Sie schlafen in Wohnbaracken,
an deren Wänden Stroh aufgeschüttet ist. Wolldecken sind in genügender
Menge vorhanden. In jeder dieser Baracken stehen Tische und Stühle,
ein grosser Ofen wärmt den Raum. Wir sahen einige Frauen draussen
ihre Kleider ausbürsten, und aus der Gemütlichkeit, mit der sie
diese Arbeit verrichteten und aus ihren zufriedenen und sogar frohen Gesichtern
konnten wir schliessen, dass sie sich in Lüstringen wohl fühlen
und die wenigen Tage bis zu ihrer endgültigen Abreise ganz gern hier
verbringen, wo die Lagerleitung ihnen die Sorge um die Alltäglichkeiten
abnimmt. |
Også Lüstringen-lejren,
som hører under militærregeringen, sørger godt for
flygtningene. De får til middag et varmt måltid og forøvrigt
brød, smør og marmelade. Til den sidste del af rejsen får
de pølsebrød. De sover i boligbarakkerne, hvor der er spredt
halm ud. Uldtæpper har de nok af. I hver af disse barakker står
der borde og stole og en stor ovn varmer rummet op. Vi så nogle kvinder
stå udenfor og børste deres klæder og af det gode humør,
de udførte dette arbejde med, og af deres tilfredse og endog glade
ansigter kunne vi drage den slutning, at de følte sig godt tilpas
i Lüstringen og ganske gerne ville tilbringe de få dage her
indtil deres endelige afrejse, her, hvor lejrledelsen fritager dem for
bekymringen om hverdagens gøremål. |
| 25
Von hier aus denken sie zurück an das dänische Lager, das 38.000
Flüchtlunge aufgenommen hatte und das grösste auf dänischem
Boden ist. Die Insassen dieses Lagers erwartet man nach und nach alle in
Osnabrück. Jede Woche wird ein Transport von rund 1000 Personen hier
eintreffen und im Lager Lüstringen aufgelöst werden. Der weitaus
grösste Teil des ersten Transportes ist schon am folgenden Tage in
andere Städte der britischen Zone weitergereist. Nur einige kinderreiche
Mütter warten noch auf ihre Verwandten, die telegraphisch hergerufen
wurden, und einige wenige, denen das Gepäck unterwegs durch einen
Zufall abhanden gekommen ist: ein Wagen, vollgestopft bis unter die Decke,
wurde irrtümlicherweise abgehängt. -- |
Herfra tænker de tilbage
på den danske lejr, som har optaget 38.000 flygtninge og er den største
lejr på dansk jord. De indsatte i denne lejr venter man også
lidt efter lidt til Osnabrück. Hver uge vil en transport på
omkring 1000 personer ankomme her og blive anbragt i Lüstringen. Langt
størstedelen af den første transporg er allered den følgende
dag rejst videre til andre byer i den britiske zone. Kun nogle mødre
med mange børn er tilbage, fordi de venter på deres pårørende,
som telegrafisk er blevet kaldt hertil, og dertil nogle få, hvis
bagage undervejs ved et tilfælde er bortkommet: En vogn, fuldstoppet
med bagage til op under løftet, blev ved en fejltagelset koblet
fra. |
| 26 Fast alle
Flüchtlinge stammen aus Ostpreussen, Westpreussen oder Pommern. Sie
müssen sich nun eine neue Heimat in Westdeutschland suchen. Damit
sind Existenz- und Berufssorgen verbunden, und die Heimkehrenden täuschen
sich keineswegs mit Illusionen über die Schwierigkeiten ihrer Situation
hinweg. Zunächst jedoch freuen sie sich, dass sie endlich nicht mehr
hinter Stacheldraht leben müssen und kosten dieses Gefühl aus.
-- (Neues Tageblatt, Osnabrück). |
Næsten alle flygtninge stammer
fra Østprøjsen, Vestprøjsen eller Pommern. De skal
nu finde sig et nyt hjem i Vesttyskland. Dermed er eksistensbekymringen
og erhvervsbekymringen sammenfaldende, og de hjemvendte narrer på
ingen måde sig selv med illusioner om vanskeligheden af deres situation
fremover. Men nu glæder de sig dog over, at de endelig kan leve uden
at være bag pigtråd og denne følelse nyder de tilfulde.
-- (Neues Tageblatt, Osnabrück) |
27 Unser Schmerzenskind: Danzig.
Zu dem Artikel in Nr. 44
der Deutschen Nachrichten vom 25. 11. 1946: "Danzigs Wiederaufbau" Herrn
Artur Lindberg b, Dagens Nyheter, Stockholm. |
|
| 28
Wer diesen Artikel über Danzigs Zerstörung gelesen hat und fast
bis zuletzt in Danzig gewesen ist, fasst sich an den Kopf und fragt sich,
warum in diesen Notzeiten ganz besonders stark gelogen werden muss. Man
könnte es ganz kurz abtun und sagen, es ist eben leichter, als die
Wahrheit zu sagen. Wemm dem so wäre, könnte man sich damit zufrieden
geben, aber die Dinge liegen eben anders. Diese sehr durchsichtigen Berichte
werden oft, mit der Dummheit der Menschen rechnend, weitergegeben, um als
grosser Antifaschist oder gar als geborener Nazigegner zu erscheinen. Früher
gab es "Augendiener" und "Radfahrernaturen" in der Minderheit, heute scheint
die Mehrzahl der deutschen Menschen unter diese Rubrik zu fallen. |
|
| 29 Nun zu dem Artikel selbt. 85% der alten
Hansastadt Danzig ist zerstört, der grössere Teil wieder durch
systematische Sprengungen dder Wehrmacht. Nein, lieber Lindberg, die nach
dem 25. 3. 45 aus Danzig geflüchteten Flüchtlinge schütteln
den Kopf über diese falsche Behauptung. Am 25. 3. 34, dies war ein
Sonntag, wurde Danzig aus der Luft und durch Beschluss zerstört ind
in Brand gesetzt. Da das Landgericht, Polizeipräsidium und viele andere
Gebäude noch stehen und nus ausgebrannt sind, ist der Beweis erbracht,
dass in dem Bericht die bewusste Unwahrheit gesagt wurde. |
|
| 30
Ich stehe auf dem Standpunkt, dass man die Verteidigung der Stadt Danzig
hätte rechtzeitig aufgeben sollen, um diese Zerstörungen zu vermeiden.
Angesichts der vielen lügenhaften Behauptungen ist es sehr bedauerlich,
dass kaum noch ein deutscher Mensch es wagt, sachlich zu berichten und
der grossen Lüge entgegenzutreten. In Deutschland soll die Demokraeit
aufgebaut werden, folglich muss die Wahrheitsliebe geweckt und gefördert
werden. Dies ist besonders notwendig, weil wir sonst wieder die Demokratie
zum Popanz werden lassen wir 1918-1933 und die Reaktion wieder zum Rechtsextrem
der Nutzniesser wird. |
|
31 Zur Zeit haben wir gerade genug Scharlatane
in allen Schattierungen herum zu laufen, die sich als politische Konjunkturritter
und moderne Zeitreporter betätigen. Um nicht unter diese gerechnet
zu werden, muss man sich erst von den Tatsachen überzeugen und dann
berichten. Die Tatsachen über Danzig sehen eben anders aus, als sie
in dem Bericht geschildert werden.
Willy Grashof,
Klövermarken, Bez. 7. Bar. 475. |
|
32 Unsere Antwort.
Wie schon aus Ihrer Anschrift hervorgeht,
machen Sie die "Deutsche Nachrichten" gerechterweise nicht für den
Bericht aus "Dagens Nyheter" verantworlich. Wir haben ihn lediglich übernommen,
um unsere Leser darüber auf dem Laufenden zu halten, was künftig
mit Danzig geschehen soll. Der zweite Satz dieser Meldung konnte tatsächlich
so aufgefasst werden, als sei keine Bombe und kein Artilleriegeschoss auf
Danzig gefallen. Wir bedauern, dass dieser Eindruck entstehen konnte; denn
es ist uns aus vielfachen Augenzeugenberichten bekannt, dass auch Danzig
unter schweren Bombenangriffen und Geschützbeschuss gelitten hat. |
|
33 Auch der
Berichterstatter Lindberg hat dies wahrscheinlich nicht bestreiten wollen.
Das wichtige wird ihm gewesen sein, die sinnlosen Sprengungen zu erwähnen,
die bei Aufgabe det Stadt systematisch durchgeführt wurden -- übrigens
nicht nur in Danzig, sondern an vielen Orten Deutschlands. Oder will Herr
Grashof bestreiten, dass die Wehrmacht in Danzig gesprengt hat? Dann würde
er den Fehler Lindbergs wiederholen. Beides ist in und mit Danzig geschehen.
Schaden sowohl durch fremde als auch durch heimische Kampfmassnahmen.
J. Sp. |
|
34 Noch einmal:
Was ich in Danzig sah ....
Als Studenting der Medizinischen Akademie
in Danzig bin ich über 2 Jahre lang täglich im Anatomischen Institut
im Danzig aus- und eingegangen und ich möchte zu dem Bericht von Stanislaw
Strabski "Mydo z ludskiege tuscu in: Wydawnictwo-Zachodniej Agencji Prasowei,
Posen 1946 folgenes bemerken:
Die Anatomie und das hygienische
Institut standen Ecke Delbrückalle und Hindenburgallee, nicht Adolf
Hitler-Strasse. |
|
| 35
Der Präpariersaal befand sich im Keller und es war dort nur ein Becken
vorhanden zum Aufbewahren und Frischhalten kleiner Präparate. Dahinter
dann lag der Leichenkeller mit 6 bis 8 Becken, in denen die Leichen fast
ein Jahr lang in Alkohol liegen mussten, damit sich das Körpereiweiss
fixierte, was. wie Herr Georg Drossel -- Aalborg, schon sagte, eine Entgiftung
bedeutet. Die schweren Eisendeckel verhindern das schnelle Verdunsten und
Verfliegen des Alkohols. In den oberen Stockwerken war weder Platz noch
die erforderlich niedrige Temperatur zur Aufbewahrung verweslicher Organismen. |
|
| 36 Im Dezember
1944 war ich das letzte Mal dort und habe nichts von diesen angeblichen
weiteren Einrichtungen gesehen. Es waren im Erdgeschoss sonst nur noch
der Demonstrationssaal und das Büro und Privatlabor des Chefs, im
ersten Stock der Unterrichtsraum für die med. techn. Assistenten;
das übrige wurde von dem zweietagigen Hörsaal eingenommen. Der
Anbau hinter der Anatomie war im Dezember 1944 noch im Bau. Was dann bis
zum März 1945 gebaut und eingerichtet wurde, weiss ich nicht. Doch
ist nicht anzunehmen, dass unter Bombenhagel und Aribeschuss noch viel
geschafft wurde. |
|
| 37 Nun zu
den "Zeugenaussagen": Ja, Herr Prof. Spanner war der Direktor des Institutes
und sein erster Assistent, Herr Dr. Wollmann, ein Luftwaffenarzt, aber
kein SS-Offizier! Die zu den Präparierübungen notwendigen Leichen
wurden von dem Oberpräparator van Bergen nach Freigabe für diesen
Zweck geholt. Sie stammten, wie bemerkt, aus Heilanstaltenund Gefängnissen;
erst in letzter Zeit hatten wir auch Enthauptete. |
|
38
Mazur war erst kurze Zeit in der Anatomie. Die angebliche Versuche hat
van Bergen garnicht machen und leiten können, da er bereits Ende 1943
zur Wehrmacht eingezogen wurde.
Und wie schrieb Kurt Vieweg? Sollte
es nicht der Pharmakologe Prof. Koll gewesen sein? Und Tausende von Leichen?
Wir brauchten für einen Kursus ungefähr 30-40. Und wenn für
die zwei nächsten Jahre für die nur im Winter laufenden Kurse
vorgesorgt wurde, so können es höchstens 100-200 Leichen gewesen
sein.
Das waren die "Zeugenaussagen".
Und was sagen die Angeklagten, Herr Strabski? |
|
39
Leichen für Studien- und Forschungszwecke zu brauchen und sachgemäss
vorzubereitgen und aufzubewahren ist nicht eine Erfindung der Danziger
Medizinischen Akademie, sondern wird schon lange Zeit in der ganzen Welt
geübt. Das jetzt in der letzten Kriegszeit auch Polen unter den Gerichteten
waren, ist nicht Schuld der Professoren.
Sind nicht alle Erfahrungen und
Entdeckungen auf dem Gebiet der Krankheiten und Anatomie Ergebnisse langwieriger,
schwerer Forschungsarbeiten? Und auf ihnen basiert dann die Heilkunde,
deren Segnungen Sie sicher auch schon erfahren haben. Muss man nicht diesen
Männern, die ihre ganze Kraft dafür einsetzten, Erkenntnisse
zu gewinnen, um kranken Menschen zu helfen, dankbar sein? |
|
40
Wenn nun Leute, die nichts davon verstehen, sich da hineinmischen und die
ihnen unverständlichen Arbeitsvorgänge auf ihre Art und Weise
deuten, und zwar falsch deuten und sie noch gar zu Propagandazwecken in
die breite Öffentlichkeit bringen, ist das sehr hässlich.
Und uns macht es nur misstrauisch
gegen all die Veröffentlichungen der Greueltaten der Deutschen; wie
weit ist es Wahrheit, wie weit schmutzige Phantasie, um Rachegelüste
zu stillen?
Gudrun Hardt, cand. mag.,
Tuberkulose-Hospital Broholm pr. Gudme - Sydfyn. |
|
41 Schluss der Debatte
Wir veröffentlichen vorstehendes
Schreiben ohne Stellung dazu zu nehmen, denn bei dem jetzigen Stande der
Aussprache ist ein klares Bild der Tatsachen von hier aus nicht mehr zu
erlangen. Der wesentliche Punkt in dieser ganzen Anlegenheit schien nur
zu sein, dass man in Danzig versucht haben soll, aus menschlichen Leichen
Seife zu kochen. Auf diese Behauptung geht Fräulein Hardt nicht ein.
Ihre Angaben lassen also die Möglichkeit der von Vieweg geschilderten
Versuch offen. Damit schliessen wir die Debatte.
J. Sp. |
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42 Krieg dem Kriege ...
Man hat errechtnet und es ist für
jeden Sachkündigen auch glaubhaft, dass auf der Erde etwa 8 Milliardeb
Menschen sich ernähren, natürlich auch wohnen, sich bekleiden
und kulturell befriedigen können. Afrika, Australien, Amerika und
Asien bieten bei einer grosszügigen Wasserhaltung und - verwendung
ganz ungeahnte Ertrags- bezw. Bewirtschaftungsmöglichkeiten. |
|
| 43 Würde man z. B. bei Gibraltar einen
Staudamm von etwa 20 km Läng errichten, so würden grosse Teile
des Mittelländischen Meeres allmählich austrocken, da ständig
grosse Wassermengen aus dem Atlantischen Ozean ins Mittelmeer fliessen,
das sonst -- ähnlich wie das Kaspische Meer -- nach und nach verdunsten
würde. Der Staudamm bei Gibraltar könnte übrigens soviel
elektrische Kraft liefern, dass ganz Europa damit versorgt werdeen könnte. |
|
| 44 Gegenwärtig
leben auf der Erde etwas über 2 Milliarden Menschen, also nur ein
Viertel des durchaus möglichen. Die grösste Sorge aller Lebewesen,
nämlich die um den Futterplatz, ist also beim Menschen vorläufig
ganz überflüssig. Deshalb hätte es nie einem Krieg zu geben
brauchen. Wir haben Wissenschaftler, die uns das Weltall und die Entfernung
er weitesten, noch gerade wahrnehmbaren Sterne ausmessen, nach Lichtjahren
(unsere Sonne ist ja nur 8 Lichtminuten entfernt). |
|
| 45 Anderen gelang die Atomzertrümmerung
(wer kann sich eine Atomgrösse überhaupt praktisch vorstellen?).
Wieder andere Forscher und Erfinder gaben uns das Radio, mit den wir (früher)
in unserm Hein hörten, wenn jemand in Amerika, Japan oder noch weiter
entfernt sprach oder musizierte. Man erfandt für Licht und Kraft den
elektrischen Strom und ähnliches. Das vor einem Jahrhundert noch technisch
und wissenschaftlich unmögliche Fliegen durch die Luft ist heute Selbstverständlichkeit
geworden. Aus Kohle gewinnen wir Benzin und vieles andere, aus Fischfleisch
Käse, Strassenmüll, aus Holz dagegen Spinnstoffe. |
|
| 46 Wir haben Männer und Geister gehabt
( um nur ein paar wahllos zu nennen) wie Goethe, Wagner, Watt, Edison,
Keppler, Leonardo da Vinci, Arco usw., die alle überragten und Grosses
schufen. Das alles aber gibt uns die Gewissheit, dass der Menschengeist
wirtschaftlich, technisch, wissenschaftlich wie auch kulturell noch vielerlei
Grosses, Neues und Schönes erfinden, entdecken und schaffen wird.
Man kann nur die an Wahnsinn grenzende Schattenseite nicht begreifen, dass
sie ständig Millionen wertvoller Arbeitskräfte mit der Herstellung
von Mord- und Zerstörungswerkzeugen beschäftigen, sie damit ausrüsten
und einüben, in närrische Kleider stecken, bis dann so etwa ein
simpler Gefreiter, der auch Politiker wurde un den Zirkus eröffnete,
in 5 Jahren rund 50 Millionen unschuldiger Menschen unter die Erde brachte
und die Kulturwerke eines Jahrhunderts vernichtete. |
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| 47 Wer so Monate -- jahrelang um den Sohn (oder
mehrere), um Vater, Bruder, Liebsten in qälender Ungewissheit bangte,
wer unzählige Male den Briefträger mit Sehnsucht und banger Sorge
erwartete, wem hundertmal beim Alarm der Atem stochte und die Angst packte,
wer dann in tagheller Nacht sein abbrennendes Heim erblickte und durch
Feuersturm und zügelnde Flammen sein nacktes Leben retten konnte,
anderntags dann durch lange zerstörte Häuserzeilen schritt, mit
denen unser ganzes Lebenswerk und -inhalt, unser häusliches Glück
zugrunde ging, |
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| 48 wer dann wie ein Bettler geächtet und
herumgestossen wurde, bis er mit einer ihm das Letzte nehmenden verzweifelten
Flucht, von Eis, Kälte und Nöten gegeisselt, schliesslich auch
die Heimat, seine Scholle verlor, wer um sich die Toten, die Verkrüppelten,
die Blutlachen sah, wer die unsagbare Teufelei eines der ungezählten
Volltreffer grossen Kalibers in der Nähe erlebte oder sich die Wirkung
eines solchen Torpedovolltreffers auf ein mit Tausenden vollbesetztes Schiff
vorstell, wer die unfassbaren Scheusslichkeiten aus dem Nürnberger
Prozess glauben lernte, wer sich all die schrecklichen Momente des Krieges
nochmals in der Erinnerung wachruft und seine heitige Lage an dem verlorenen
Glück und eigenen Herd misst, der verzagt völlig an jeden gesunden
Menschenverstand. |
|
| 49 Die ganze Kultur und Friedensliebe wirkt
als höhnische Fratze, weil die führende Geister und Männer
der Menschheit den Krieg nicht ausrotten konnten und vielfach sich auch
ernsthaft darum garnicht bemühten. Wenn Hitler durch sein Buch "Mein
Kampf", durch die Wiedereinführung der Wehrpfllicht, durch den Austritt
aus dem Völkerbund und durch Vertragsbrüche und ähnliche
Sachen ganz eindeutig erkennen liess, dass schon in der Parole "Nieder
mit dem Schandvertrag von Versailles" die Kriegserklärung zum Weltkrig
lag, so sei die ganze Intelligenz der Welt befragt, ob es wirklich keine
andere Abwehrrepressalie, totaler Boyhkott etc. gab, als den massenmordenden
zerstörenden Krieg. |
|
| 50 Denn gerade die führenden Männer
wussten am Besten, was dieser Krieg an Opfern bringen würde. Hitler
hat angefangen, er ist der Hauptschuldige für alle Ewigkeit. Diesen
Fluch werden ihm alle ernüchterten Deutschen immer nachrufen. Sind
jene aber nicht gleichfalls mitschuldig, die in der ganzen Welt ihre Heere
und Flotten rüsteten und vermehrten zu Lande, zu Wasser und in der
Luft? Doch nicht zum Frieden, sondern zu Krieg! |
|
| 51 Wer den Nationalsozialismus als friedensstörende
Eroberungspolitik hasste, war gegen Hitler. Wer aber von all den Gegnern
hasste und bekämpfte wahrhaft den Krieg, zumal der krieg 1914-18 grausamsten
Anschauungsunterricht geboten hat? Die Kriegsdienstverweigerer und Rüstungsstreiks
waren reichlich unbekannt, weil es allen viel schwerer war, einen wahrhaften
Heldentod, im Kampf gegen den Krieg zu sterben, als den kriegerischen Soldatentod
zu wählen. Es waren als einzige Schuldige aller Kriege, also auch
des letzten, in allen Ländern führende Kräfte am Werk, die
mit Geld und Hungerpeitsche die Volksmassen zur Rüstungsarbeit und
zum Soldatentum zwangen und überredeten, um sich und ihrer Schicht
aus solchen Kriegen Nutzen und Gewinn zu verschaffen. |
|
| 52 Diese Massen aber haben von siegreichen beendeten
Kriegen ihre persönlichen Opfer, von verlorenen dazu noch die Kriegsschulden
als Erfolge zu buchen gehabt, aber keinerlei Vorteile. Denn an das Bitterste
und Schwerste, was uns in Deutschland erwartet, denken heute noch wenige
von uns. Es ist nicht mehr die Lebensmittelknappheit, die in absehbarer
Zeit gemildert wird. Wir haben auch nicht annähernd ausreichenden
Wohnungen, werden vielfach in allzugrosser Enge zusammenwohnen und als
Hohn werden wir in den Städten noch jahrelang an den Trümmern
vorbeigehen, wo einstmals schöne Wohnungen mit aller Häuslichkeit
standen. |
|
| 53 Wir werden noch lange in zerschlissenen und
geflickten Sachen und schlechten Schuhwerk herumlaufen, wegen Waren- und
Geldknappheit. Frauen und Männer werden noch hunderte Male an ihre
schönen Kochtöpfe, Geschirr, Kleider, Möbel, Betten, Schreibtische,
Bücher, Radio, an alle die Gebrauchs- und Kulturdinge denken, die
sie einst besassen. Und vor allem wird uns die viel zu kleine Lohntüte
ewig Kummer machen, die nicht hin nicht her langt und -- geborgt wird nicht
mehr, das dürfte feststehen. Tausend Mal wird jeder an all das denken.
Die Mütter an ihre Söhne, die jung und hoffnungsvoll getötet
wurden, die Väter, Bräute, Geschwister an all ihre Gefallenen,
die so viele Zukunftsträume in ihr Grab mitnahmen. |
|
| 54 Millionen Krüppel, Schwache, Alte, Waisen,
Witwen werden diesen Krieg noch erst verfluchen lernen, wenn selbst ihre
bescheidensten Hoffnungen auf die Zukunft Schritt für Schritt enttäuscht
werden. Die sagenhaften grauen Haare werden uns erst noch wachsen. Denn
auch das sei hier gesagt, dass diejenigen, die heute noch gute Nachrichten
von Deutschland haben, weil es ihren Angehörigen zur Zeit gut geht,
in ein paar Jahren grausam "gleichgeschaltet" sein werden, weil gerechterweise
alle Deutschen im Lande die gleichen Lasten zu tragen und Entbehrungen
zu erdulden haben werden, weil jeder auch in der Not sich der Gemeinschaft,
die diesen Krieg führte, unterordnen muss. |
|
| 55 Es wird die erste Aufgabe einer Reichsregierung
sein, all die selbstherrlichen Besserstellungen der vom Kriege Verschonten
zu Gunsten der allgemeinen Notlage etwas einzuebnen. Uns allen aber muss
all das gesagt werden, all das Leid zu dem einzigen millionenfachen Schwur
zwingen: "Nie wieder Krieg!" Die Gewerkschaften und Parteien müssen
als Punkt 1 ihrer Satzungen Rüstungsarbeiten jeder Art und Militärdiensts
gru9ndsätzlich verbieten. Das ganze Volk muss mit leidenschaftlicher
Aufmerksamkeit gefährdende Regung achten und radikal bekämpfen.
Die stärkste Organisation und Bewegung im lande muss die der Kriegsgegner
sein. |
|
| 56 Jede Hetze oder Verunglimpfung gegen andere
Länder oder Völker ist zu unterbinden. Mit einer solchen beweisstarken
Friedensliebe wird nicht nur jeder deutsche Angriffskrieg verhindert, sie
wäre die grösste Kulturtat, die Deutschland an die Stelle rückt,
vor der alle Kriegslüsternen Respekt haben und von der die Pazifisten
der Welt Kraft und Ausdauer empfangen. |
|
57 Kriege sind Menschenwerk, sind Zerstörer,
seelich und wirtschaftlich und ihr Gewinn ist neuer Hass und Neid. Kriege
müssen deshalb unmöglich gemacht werden, wenn wir als Menschen
uns über das Getier erhaben dünken und uns unserer Kultur und
Zivilisation rühmen und erfreuen wollen. Ihr Mütter, Väter,
Geschwister, ihr Staatenlenker und Denker, wollt Ihr Krieg oder Frieden:
dann entscheidet, aber endgültig.
R. Mahlo,
Flüchtlingslager Skallerup Klit.
pr. Hjørring. |
|
58 Selbständigkeit
J. Nolte,
Bez. D -- Bar. 12a, Z. 2
An die Deutschen Nachrichten, Kopenhagen.
Nur an der Selbständigkeit
wächst das Verantwortungsgefühl. Sehr richtig har J. Sp. damit
gesprochen. Wer besitzt aber diese Selbständigkeit, die im Interesse
der ganzen Menschheit auf demokratischer Grundlage geschaffen werden soll?
-- Die Demokratie, mit der heute so sehr hin und her jongliert wird, kann
nur von Erfolg gekrönt sein, wenn neben der Bodenreform, wie ich sie
seinerzeit darlegte, auch eine Geldreform einherschreitet. Die ganze kapitalistische
Wirtschaftsform, wie sie heute auf der ganzen Welt ausgeübt wird,
wird niemals zu einer wahren herzlichen Demokratie führen. Alles Gerede
darüber bleibt nur leere Schall, solange nicht auch eine demokratische
Wirtschaftsform die kapitalistische ablöst. |
|
| 59 Arbeit
und Kapital muss auf einen gleichwertigen Ausgleichsnenner basiert werden.
Es ist ein Undung, wenn die Arbeit gezwungen wird still zu liegeb, wo sie
dann rostet und das Material sich verringert, aber auf der andern Seite
das Kapital sich vermehrt, auch wenn er ruht! Die Not unseres deutschen
Vaterlandes erfordert es, dass alle Räder laufen, ungehemmt laufen,
wenn alles das, was wieder gut zu machen ist, geschafft werden soll. Das
Mehrgewicht des Kapitals aber, welches die Menschen dazu verführt,
soviel wie möglich arbeitslose Einkommen einzustreichen, veranlasst
den Kapitalisten, einfach in den Streik des Kapitals einzutreten und den
Arbeitswilligen am Hungertuche nagen zu lassen. |
|
| 60
Diesem kann nur dadurch abgeholfen werden, dass auch dem Kapital, wenn
es streikt, der Brotkorb höher gehängt wird. Dies geschieht dadurch,
wenn der Machtfaktor des Kapitals, die Verzinsung desselben in dine
Entzinsung umgewandelt wird. Dadurch ist der Kapitalist gezwungen,
sein Geld nicht streiken zu lassen, es rostet ihm dann eben so weg, wie
der Arbeit ihr Material. Einem jedem Menschen, der guten Willens ist zu
schaffen und dem die moralische und praktische Verantwortungsgabe nachgewiesen
werden kann, muss zunsloses Kapital zur Verfügung gestellt werden,
um im Sinne der Volkswohlfahrt schaffen zu können. Der heutige Kapitalist
wird dadurch gezwungen, nun auch zinsfrei zu arbeiten und der Wettbewerb
beider Gruppen wird dazu führen, die Räder in rastloser Tätigkeit
zu schmieren. |
|
| 61 Weiter
wird der Wettbewern dazu führen, die Waren und Fertigprodukte auf
zinsloser Wirtschaft aufgebaut, stetig zu verbilligen, ohne auch im geringsten
die Arbeitslöhne zu vermindern. Das Streikfieber, welches heute trotz
aller ungeheuren Not und des Elends in der ganzen Welt unter der Arbeiterschaft
daherrast, kann dann auch erst als unbegründet verdammt werden. |
|
62 Seien wir uns
stetig bewusst, dass eine auf freiwirtschaftlicher (zinsloser) Wirtschaft
aufgebaute Welt alle Hemmungen beseitigt, die letzten Endes stets zu Kriegen
führen. Wir alle sind verpflichtet, nach diesem furchtbaren Aderlass
uns auf Besseres zu besinnen, mitzuhelfen und nachzudenken, um in ruhiger
Arbeit aufzubauen, was niedergerissen ist, ohne dem Nächsten dabei
wehe zu tun.
J. Nolte.
Ich bitte um Aufnahme meiner Zeilen und dieselben zur Debatte zu stellen. |
|
63 Von Zone zu Zone
Flüchtlinge können wieder
ih ihre heimatliche Besatzungszone.
Deutsche Flüchtlinge,
die infolge der Kriegsergnisse ihre Heimstätten verliessen, können
jetzt nach einem von dem Alliierten Koordinierungsausschus in Berlin genehmigten
Plan die Erlaubnis erhalten, in jene der vier Besatzungszonen zurückzukehren,
in der sie früher ständig wohnhaft waren. -- |
|
64 Die Zeitpunkt
der Rückkehr und die Anzahl der Rückkehrer unterliegt den Anordnungen
des jeweoligen Befehlshabers der Zone, in die die Rückkehrer einreisen
wollen, ohne Rücksicht auf ihren augenblicklichen Aufenhaltsort.
Weiter beschloss der Koordinierungsausschuss,
dass die Durchführung dieses Planes nicht die bestehenden Abkommen
über die Umsiedlung ausgewiesener Deutscher von Österreich, Ungarn
oder der Tschechoslowakei behindern soll. |
|
65 Sinn für Humor
Ach, wissen Sie, ich lese so gern die
"Deutschen Nachrichten" und in der letzten Nummer 42 brachten Sie etwas
von Wilhelm Busch, wunderbar, meinem Herzen entsprechend. Wie lange wünschte
ich mir hier ein Buch von ihm zu besitzen. Hätte ich die künstlerische
Begabung wie er, würde ich so gern Begebenheiten aus dem Lager, Klatschsucht
der Frauen und Menschen, die sich besonders klug nennen, die jedem nach
der Zunge reden, um sich nie zu schaden, und auch nie die offene Art zeigen
und auf Mitmenschen auf diese Art vergiftend wirken, schildern. |
|
| 66 Diese Menschen möchte ich malen
wie sie sind und charakterisieren. Ach, wenn ich das nur könnte. Aber
es ist mir nicht gegeben. Ich möchte nicht kritisieren, nein, ich
möchte nur solchen Menschen zeigen wie sie aussehen, wie sie wirken
und dass solche für junge werdende Menschen nicht erzieherisch wirken
dürften. Ja, so kann nie ein ehrliches neues Deutschland erstehen.
Wilhelm Busch verstand ich immer zu lesen. Ich las immer nur zwischen seinen
humorvollen Zeilen den tiefsten Schmerz. Er war leider nur ein zu grosser
Pessimist. |
|
| 67 Aber hat er nicht recht für unsere Zeit?
Geradezu und ehrlich sein, ja, dann ist man blöd, einfältig und
gehässig, gesehen für solche Menschen, die ich meine. Ich habe
schon oft für mich Gedichte geschrieben. Ich hätte gerne so manches
unserer Zeitung übergeben, aber tat es nicht, weil ich weiss, diese
Menschen lästern darüber und bessern sich nie. Ich erlebe dann
stets wieder, was ich hier unter solchen Menschen leiden musste. Wenig
gute und ehrliche Menschen gibt es. Ach, wenn es so in Deutschland ist,
wo führt da hin? Darum meine trüben Gedanken für die Zukunft
in Deutschland. |
|
68 Aber heisst es einmal für kein Kind
und mich nach Deutschland, dann gehen wir beide tapfer unserm Schicksal
entgegen und immer höre ich die Worte meines toten Vaters: "Wo ein
Wille ist, ist auch ein Weg!" -- -- Und dann sagte er immer, er, der auch
unter falschen Menschen litt "O lieb solang du lieben kannst, o lieb' solang
du lieben magst. Die Stunde kommt, die Stunde kommt, wo du an Gräbern
stest und klagst". Ja, ist soclh ein wertvoller Mensch erst tot, dann erkennt
man ihn, dann spricht man von ihm, weit über das Grab hinaus. Das
sind die Kämpfer ihres ganzen Lebens. Und diese selbst starben froh.
Ihr Leben hatte Sinn. -- -- Ich gab Ihnen Freude und Dank über die
Zeilen von Zeilen von Wilhelm Busch. Und ich schliesse mit besten Grüssen.
Frau Irmgard Brausewetter. |
|
69 Zwei Mahnungen ...
Fallt nicht in die Fehler von 1918-32
zurück, so möchte ich denjenigen zurufen, welche die deutsche
demokratische Republik aufbauen wollen.
Seht euch die Leute an, die ihr
zu euren Helfern und Mitarbeitern macht. Denn wenn man die Augen richtig
aufmacht, dann sieht man allerhand Gestalten wieder, genao so wie 1918-19,
die im Trüben fischen wollen, die denken, jetzt ist es Zeit aus der
Versenkunt aufzutauchen, sich ein Pöstchen, Posten oder sogar eine
fette Pfründe zu ergattern. |
|
| 70 Ihre Gesinnung?? Sie haben gar keine. Heute
schreien sie sich heiser, der Nazismus muss mit Stumpf und Stiel ausgerottet
werden. Gestern aber waren sie selber sein eifrigsten Mitläufer und
konnten nicht genug tun, ihn zu lobsingen und zu lobpreisen. Ich gedenke
des Anfang März 1933, wo sie am Tage vor der Wahl, ja noch am Wahltage
selber die rote Fahne oder die schwarz-rot-goldene Fahne aus dem Fenster
heraushängten, um nach der Wahl sofort die -- auf alle Fälle
--bereitgehaltenen Hakenkreuzfahnen zu hissen, und die andere schleunigst
zu verbrennen. |
|
| 71 Heute nun, soll abermals die Demokratie aufgebaut
und untermauert werden, gut und gründliich. Also Achtung! nicht wieder
in den alten Fehler verfallen. Seht euch nur die Gesichter recht an und
den inwendigen Menschen. Seht euch nur an, wie sie sich in den Vordergrund
drängeln. Bei ihnen ist Können und Intelligenz verhasst, nur
Durchschnitt und darunter sind gefragt. Maulaufreissen riesengross, positives
Arbeiten niemals. Aber selbst zeigen was sie können, da kann man sagen,
Fehlanzsige. Sie lassen lieber andere arbeiten und fleissig sein. So fing
es 1918-19 an und die Demokratie versandete. Soll dies heute wieder der
Fall sein? Nein! |
|
| 72 Seht euch gerade jetzt die Leute genau an,
die zur Mitarbeit herangezogen werden. Diese müssen von der Richtigkeit
der Demokratie felsenfest überzeugt sein, sie müssen einen anständigen
Charakter haben. Tüchtige, fleissige, kluge Menschen, welche im Inntersten
gewillt sind aus vollster Überzeugung am Aufbau eines deutsch-demokratischen
Einheitsstates mitzuarbeiten. Ob Arbeiter, Handwerker, Bauer, Angestellter,
Beamter oder sonstwas, Hauptsache er ist ein gerader aufrechter Mensch
mit dem nötigen Idealismus und Schwung, der Berge versetzen kann. |
|
73 Kein Konjunkturritter, der den Mantel nach
dem Winde hängt und nur an sich denkt, nicht an das Volk. Wir wollen
nicht wieder in den Fehler verfallen, dass alle möglichen minderwertigen
Menschen sich als Demokraten aufspielen. Aber nur Egoisten reinsten Wassers
sind, welche nur ihr eigenes Ich kennen und nur ihr eigenes Wohl und Wehe
achten und so den Bau des neuen Staates schon in den Anfängen untergraben.
Aber jeder anständig gesinnte Mensch, der für die Demokratie
durchs Feuer geht und der bereit ist und mithelfen will, die neue Republik
aufzubauen, sollte willkommen sein, um an der Gründung des allein
richtige und allein lebensfähigen deutschen demokratischen Einheitsstaates
mitzuarbeiten.
Konrad Goth,
Grove per Karup 60-11 -- Jütland. |
|
74 Herr Goth nennt seine Überzeugung vom
deutschen demokratischen Einheitsstaat "alleinrichtig" und "alleinfähig".
Das klingt reichlich doktrinär. Will er damit alle andern Möglichkeiten
demokratischer Staatsgestaltung von vornherein als "alleinunricht" und
"alleinlebensunfähig" abtun? Das wäre wenig freiheitlich und
wenig duldsam gedacht. Wer will versuchen, eine Meinung zu dieser Frage
zu äussern?
J. Sp. |
|
75 Werter Herr Spatz!
Ich bitte Sie sehr höflichst um Abdruck
meines nachstehenden Artikels.
An alle Flüchtlinge!
Liebe Flüchtlinge, eineinhalb
Jahre Internierung liegen schon hinter uns, und nicht ein einziger von
uns allen hätte jemals daran gedacht, dass wir so lange, von aller
Welt angeschnitten, hier hinter Stacheldraht leben müssten. Und doch
ist es nun eine so lange Zeit geworden, die jedem einzigen von uns fast
unerträglich erscheint. |
|
| 76 So lebten wir
nun anfänglich mit der grosen Hoffnung im Herzen, nach der Kapitulation
Deutschlands doch auch bald in unser schwer geprüftes Vaterland zurückkehren
zu dürfen, aber all unser Hoffen und Sehen versand ins Tiefe und Unendliche,
ja und wer von uns hätte auch nur den einen Gedanken laut werden lassen,
noch Weihnachten hier zu sein? Und so erlebten wir doch auch die erste
Weihnacht fern von allen Lieben ohne jede Hoffnung 1945 in einem Land,
das uns als Feinde und Eindringlinge betrachtet. |
|
| 77 So vergingen wieder Wochen, ja Monate und
in einem jeden Flüchtlingsherz keimte wieder die grosse Hoffnung,
doch dann 1946 daheim zu sein. Nur noch wenige Wochen trennen uns jetzt
von dem grossen deutschen Weihnachtsfest, und für viele von uns ist
die grosse Hoffnung, dieses Fest nun endlich zu Hause begehen zu dürfen,
auch wieder zunichte gemacht worden. Nur einem kleinen Teil ist das glückliche
Los zugefallen, Weihnachten 1946 daheim zu verleben. Ja, gerade in diesem
Jaur ist uns das Leben und das Warten zur grossen Qual geworden, denn so
manch einer hat nach langer Trennung seine lieben Angehörigen wiedergefunden
und kann nun doch nicht bei ihnen sein. |
|
78 Desto näher nun das Fest der Liebe heranrückt,
umso sehnsüchtiger weilen unsere Gedanken bei unsern Lieben daheim,
denn nur unsere Gedanken ist es frei, weit über den Stacheldraht hinauszuwandern
zu unsern Angehörigen, und auch dei zweite Weihnacht, 1946, nur so
in Gedanken zu erleben. Liebe Landsleute, wenn es das Schicksal auch wieder
in diesem Jahre mit uns nicht gut gemeint hat, so rufe ich trotzdem allen
zu, verzagt nicht, seid tapfer, lasst in euren verzagten herzen wieder
die Hoffnung erblühn, denn es ist die letzte Weihnacht, die fern von
der Heimat für uns heranrückt, denn bald wird die Sehnsucht für
jeden von euch ihre Erfüllung finden, und in diesem Glauben grüsst
sie
Frau Gertrud Frank,
Flüchtlingslager Rye 1, Bez. D. Bar 18-10. |
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