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Deutsche Nachrichten 1946 Nr 45
vom 2. Dezember 1946 |
Deutsche Nachrichten 1946 nr 45
fra 2. december 1946. |
Wochenschwatz #1.
Hoffnung lässt den Mut nicht sinken von Johann Götz, Knivholt.
#13.
Warum Atomforschung? von Klaus-Werner Sieloff, Oksbøl, #23.
Antwort: #25.
Ein Kleinbauer schreibt. von Johann Szonn, Kløvermarken #31.
Etwas über die Fürstenabfindung Werner Losert, Oksbøl
#43. Antwort: #46.
Wochenschwatz #1.
Hoffnung lässt den Mut nicht sinken von Johann Götz, Knivholt.
#13.
Warum Atomforschung? von Klaus-Werner Sieloff, Oksbøl, #23.
Antwort: #25.
Ein Kleinbauer schreibt. von Johann Szonn, Kløvermarken #31.
Etwas über die Fürstenabfindung Werner Losert, Oksbøl
#43. Antwort: #46. |
Ugens passiar
Håbet gør, at modet ikke synker
Hvorfor atomforskning?
En husmand skriver
Noget om fyrsternes erstatning |
| 1 Wochenschwatz von Jochen Spatz |
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2 Liebe
Landsleute!
Ob man in Deutschland Arbeit bekommt? Warum
nicht? Wenn man bedenkt, wie unsere Städte aussehen, sollte man meinen,
da gebe es auf absehbare Zeit für jeden zu tun, der nicht krank oder
arbeitsscheu ist. Von der Kohle bis zur Sicherheitsnadel, von der Rasierklinge
bis zur Nähmaschine, vom Kraftwagen bis zum Laufkran, vom Brot und
Bier bis zum Buch, vom Bett bis zur Seife und zum Kunstdünger, vom
Elektromotor bis zum Augenglas fehlt uns alles, was uns als Kulturvolk
das Leben zwischen Kulturvölkern erträglich und möglich
macht; garnicht zu reden von Wein, von Schiffen und Opernhäusern. |
|
| 3 Da sollte es keine Arbeit geben?
Das wäre zum Lachen -- zum Tränenlachen. Denn es gebe ja für
den Arbeitsmangel nur einen einzigen Grund: Dass man uns nicht arbeiten
lassen wollen. Und diese Befürchtung ist nach den Reden der Staatsmänner,
die über Deutschlands Geschick mit dem Rechte des Siegers entscheiden,
hinfällig. Alle sagen sie, dass wir arbeiten müssen, dass man
uns erlauben müsse, mit unsere Hände und unserer Köpfe Werk
für uns einzustehen. |
|
4
Freilich dürfte der Übergang vom Kriege zum Frieden, vom Chaos
zur Ordnung nicht leicht für uns werden, weil es an allem fehlt, an
Grundstoff und Werkzeug, an Werkräumen und Arbeitskraft. Denn dieser
unselige Krieg hat zuviel verschluckt. Seine Nachwehen quälen uns
hart.
Unsere Wirtschaft liegt am Boden.
Alle Betriebe sind unzulänglich beschäftigt. Viele liegen noch
völlig still. |
|
5 Und
trotzdem mangelt es heute schon überall an geeigneten Arbeitskräften,
vor allem an Facharbeitern. Bergbau, Bauwirtschaft, Metallgewerbe, Landwirtschaft,
Handel, Verkehr, alle laufen sie viel zu langsam.
Als ich in Deutschland war,
habe ich mit einem Freunde gesprochen, der Leiter eines grossen Arbeitsamtes
ist. Er klagte sehr über den Mangel an tüchtigen Arbeitskräften.
Und so wie ihm ergeht es den meisten Arbeitsämtern. Alle haben mehr
offene Stellen, als erwerbslose Facharbeiter in ihren Karteien verbucht.
Woher das kommt? Zum Teil aus der Arbeitsunlust, wie sie nach jedem Kriege
in Erscheinung tritt, teils aus plötzlich überflüssig gewordenen
enttäuschtem Heldentum, teils aus Erschöpfung oder auch aus einer
Verzweiflung, der jede geregelse Tätigkeit als sinnlos erscheinen
lässt. |
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| 6 Viele
Männer finden an der Unregelmässigkeit des Kriegerdaseins Gefallen.
Sie lassen sich nur zu gern aus ihrem Alltagstrott reissen und scheuen
nach ihrer Entlassung vom Heeresdienste vor geregelter Tätigkeit zurück.
Vor allem solange man noch auf anderem Wege sein Auskommen finden kann.
Mag dieser Weg oftmals auch schmählich sein, wie in Schiebertum und
in Schleichhandel, er findet seine zahlreiche Mannschaft. |
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| 7
Andere Ursachen stossen hinzu und steigern die Nachfrage nach geeigneten
Arbeitern. Sehr viele Leute werden zur Zeit mit Dingen beschäftigt,
bei denen man keine Güter erzeugt. Die Militärbehörden binden
einen grossen Teil der vorhandenen Arbeitskräfte. Die Wohnungsnot
trägt dazu bei, enen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage zu erschweren,
denn es gehört heute schon Mut dazi, um einer Lohnarbeit willen den
Wohnort zu weckseln. |
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| 8 Hinzu
kommt das Sinken der Arbeitsleitung durch die Mangelernährung, den
Hunger. So mancher Arbeiter ist aus Selbsterhaltungstrieb gezwunden, seinen
Betrieb für Tage im Stich zu lassen, um irgendwo einen Sack Kartoffeln,
ein paar Kohlköpfe oder ein Brot zu ergattern. |
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| 9 Die Kriegsverluste
haben ein übriges getan, um den Mangel fühlbar zu machen. Bei
Kriegsausbruch hatte Deutschland rund achtzehn Millionen Arbeiter, dazu
sechs Millionen Angestellte und Beamte. Von diesen vierundzwanzig Millionen
waren acht Millionen weibliche Arbeitnehmer. -- Nun sind aber schätzungsweise
zu Hitlers Ehre vier Millionen Deutsche auf den Schlachtfeldern verblutet.
Ungefähr fünf Millionen weilen noch in Kriegsgefangenschaft;
auf wie lange? Der Ausfall vergrössert sich weiterhin durch die Kriegsversehrten,
die ganz oder teilweise arbeitsunfähig geworden sind. |
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10 Dieser
Verlust an Arbeitskraft wiegt umso schwerer, als er gerade die Jahresklassen
der grössten Leistungsfähigkeit -- nämlich die Männer
zwischen achtzehn und vierzig Jahren -- traf.
Zugleich bleibe der Zuwachs an jüngerer
Arbeitskraft zurückt, weil zu Kriegszeiten die Geburtenziffer absinkt. |
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| 11 Der ganze
Ernst dieses Vorganges zeig sich besonders sinnfällig im Bergbau.
Die Altersgrenze der Hauer "vor Ort" lag früher bei 40 Jahren. Heute
aber ist dort das Durchschnittsalter um acht Jahre angestiegen. Daraus
ergibt sich die zwingende Notwendigkeit, für jüngeren Nachwuchs
zu sorgen, wenn die Kohlenförderung in den nächsten Jahren nicht
empfindlich geschädigt werden soll. Ohne Bergleute keine Kohle, ohne
Kohle kein Neuaufbau Deutschlands. |
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12 Warum diese
nüchternen, sachlichen Angaben in einem Wochenschwatz? Weil sie uns
Flüchtlingen zeigen, dass jeder von uns, der arbeitsfähig und
arbeitswillig ist, einen Platz finden wird, auf dem er seinen Mann stehen
kann. Auch die Frauen, die ihren Ernährer verloren haben, werden auf
Jahrzehnt hinaus in Deutschland lohnende Arbeit finden.
Das ist trotz allem ein Trost, nicht
wahr?
Wer nur gewillt ist zuzugreifen,
der findet einen Arbeitsplatz.
Er braucht nicht arm umherzustreifen.
In diesem Sinne Jochen Spatz. |
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13 Hoffnung lässt den Mut nicht sinken
In der Anlage übermittle ich Ihnen
hiermit die Abschrift eines Briefes an meinen Freund Karl zur gefälligen
Verwendung und Veröffentlichung.
Mit bestem Gruss
Johann Götz,
74 Jahre, Lager Knivholt, B. 45. II |
|
14 Lieber Karl!
Deinen Brief vom 18.8. erhielten
wir. Deine Mitteilung, dass Du wieder Bauer werden willst, findet nicht
nur wegen der grossen Kartoffeln meine volle Zustimmung. Bauer sein ist
nämliche das wertvollste und werbeständigste in der Erscheinungen
Flucht. Solange die Welt steht, wird der Bauer bestehen. Damit will ich
nicht sagen, dass der Beruf leicht und sorglos ist. Du bist in Deinem Leben
auf so vielen Pferden geritten, hast nicht nur in der Heimat, sondern auch
wiederholt über dem grossen Wasser zahlreiche Versuche, das Leben
neu zu zimmern, gemacht. |
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| 15 Hier wie dort hast Du genügend Erfahrungen
sammeln können. Erfolg und Misserfolg waren Deine Begleiter. Im Weltkrieg
1914-1918 und der nachfolgenden Inflation bist Du ebenso hart, wie Millionen
Menschen mitgenommen worden, und diesesmal von 1939 bis 1945 bist Du auch
wieder unter den Millionen, denen die Heimat und die letzte Habe geraubt
wurde. Nun bist Du inzwischen in Sturm und Drang in jenes Alter gekommen,
in dem die jugendliche Kraft geschwächt und der Unternehmungsgeist
nicht mehr die frühere Schwungkraft besitzt. Da ist es nun zu verständlich,
wenn im abgeklärten Alter die Liebe zur bäuerlichen Scholle und
zur ländlichen Lebensweise erwacht. |
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| 16 Im Flüchtlingslager geht es uns wie
dem Vogel, der auf der Leimrute sitzt und sein Nest nicht erreichen kann.
Die Sehnsucht nach der Heimat, die erzwungene Untätigkeit, der Stacheldraht,
das ganze unbefriedigende Lagerleben zerrt an unseren Nerven und belastet
unser seeliches Empfinden schwer, dazu die Ungewissheit, wie sich die Zukunft
in Deutschland für das ganze Volk gestalten wird. Und trotz alledem
und alledem wäre es falsch zu verzagen. Die Sonne scheint nach wie
vor auf alle Kreaturen und lässt Korn und Wein reifen. Jeder Tag bringt
uns nicht nur dem Tode näher, sondern auch der Lösung der gegenwärtigen
Streitfragen. |
|
| 17 Und noch eins: Auf allen Gebieten hat der
Krieg technische Probleme gelöst, die die bedeutendsten Umwälzungen
in der kommenden Weltfriedenswirtschaft auslösen werden. Grenzen sind
schon jetzt sehr problematisch geworden, nachdem in der Luft in der Stunde
Entfernungen von mehr als tausend kilometern überwunden werden. Und
dazu die Auswirkungen der Atomkraft und der Strahlenenergie im friedlichen
Wettbewerb. |
|
| 18 Ich war 1909 in Würzburg, als Professor
Röntgen die nach ihm benannten Strahlen entdeckte. Es sind noch keine
40 Jahre vergangen, und die Strahlentheorie hat in der Praxis in diesem
Zeitraum zu ungeahnten Entdeckungen geführt. Rundfunk, Fernsehen,
Fernschreiben erschliessen unabsehbare Möglichkeiten. Und welche Fortschritte
sind inzwischen in der Krankheitsbekämpfung, der Bodenerforschung,
der Entwicklung optischer Geräte eingetreten. |
|
| 19 Physik und
Chemie feiern wissenschaftliche Erfolge am laufenden Band. Dazu der Gärungsprozess
bei allen Völkern der Erde. Wer wollte im Hinblick auf diese Tatsache
schon jetzt eine Prognose für die Gestaltung der Zukunft auch nur
für die nächsten zehn Jahre aufstellen? Jeder Mensch ist das
Produkt seiner Verhältnisse. Und die Verhältnisse haben sich
allein in den letzten 80 Jahren auf den verschiedensten Gebieten so grundlegend
geändert, und von dieser Änderung bleiben auch die Menschen in
ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung nicht unberührt. |
|
| 20 Wäre die Frage zu stellen, ob die Menschen
vor 500 Jahren glücklicher gelebt haben als wir? Wir wissen aus der
Geschichte, dass auch in der Vorzeit der Kampf um das Leben nicht leichter
war als heute. Naturkatastrophen, Hungersnöte, Religions-, Fürsten-
und Bauernkriege, Seeräuberei, Raubrittertum, Krankheit und Pestilenz
haben im Altertum gewütet, und die Fron- und Sklavenarbeit würzte
die sogenannte gute alte Zeit. Die Leiden der dahingegangenen Generationen
waren keineswegs Schmerzen. Ketzer- und Hexenverbrennungen, Gladiatorenkämpfe
usw. waren schon in unserem Leben nicht mehr zeitgemäss und das Recht
der ersten Nacht sowie die Leibeigenschaft schwanden dahin. |
|
| 21 Bei diesem Rück- und Ausblick haben
wir gar keine Ursache, trostlos in die Zukunft zu blicken. Freilich könnte
es manchen zur Verzweiflung bringen, wenn immer wieder der Termin zur Regelung
der Friedensbedingungen mit Deutschland, eineinhalb Jahre nach der Kapitulation
verschoben wird. |
|
22 Und jede Verzögerung vermehrt das tausdnefältige
Elend der Gegenwart und wir müssen dem Jammer untätig zusehen.
Und doch rückt die Zeit näher, in der der deutsche Kopf- und
handarbeiter seine Zähigkeit, sein Können und seinen Fleiss in
friedlicher Mitarbeit zur Wiedergesundung der Weltwirtschaft unter Beweis
stellen kann. Dann wird es mit gutem Mut wieder vorwärts und aufwärts
gehen. In diesem Sinne grüsst Dich und die Deinen in alter Verbungenheit.
Dein Freund Hans. |
|
23 Warum Atomforschung?
Sehr geehrte Redaktion.
Ich möchte zu dem Artikel in Nr. 23 der
Deutschen Nachrichten mit der Überschrift "Die neue Arche Noah" folgendes
sagen. Da ich an der von Herrn Jochen Spatz vorgepredigten Demokratie und
dem Weltfrieden sehr zweifeln muss, denn ein Volk, das den Frieden will,
braucht nicht die Wirkung der Atombomben zu wissen, denn andere Völker
können Bombenexperimente als Vorbereitungen zum Krieg auffassen. Und
das kann zu einer Katastrophe führen. |
|
24 Da bitte ich Sie, uns durch Ihre Zeitung
die Gründe dieser Atombombenexperimente zu beantworten. Sind Sie vielleicht
nicht in der Lage, darüber zu antworten, so müssen wir annehmen,
dass Sie eine Idee vertreten, von der sich selbst die Ziele nicht wissen.
Sollte dieses Schreiben nicht an die Öffentlichkeit kommen, so wissen
wir aber, dass Ihre Idee ein Irrtum ist.
Klaus-Werner Sieloff,
Oksbøl, Bez. 4 Bar. 3 |
|
25 Die Forschung
geht ihre eigenen Wege, unabhängig vom Tun und Lassen der einzelnen
Völker und Staaten.
Der Mensch ist ein ruheloses Wesen,
dessen Beruf es ist, immer tiefer in die Geheimnisse der Natur einzudringen
und ihr Kraft um Kraft zu entreissen. |
|
| 26 "-- Dass ich
erkenne, was die Welt im innersten zusammenhält --" Der Fluch der
Menschheit ist, dass bisher Entdeckungen und Erfindungen menschlichen Geistes
für Kriegszwecke eingesetzt werden können und auch eingesetzt
werden. Für gewöhnlich ist es bisher immer so gewesen, dass man
bei jeder neuen Erfindung annahm, sie würde den Krieg unmöglich
machen. Und immer liessen sich die Errungenschaften der Technik und Chemie
als Waffen und Gegenwaffen benutzen. |
|
| 27 Sollte
man deshalb die Forschung verbieten? Das hiesse, das Kind mit dem Bade
ausschütten. Ausserdem wäre es nutzlos. Denn der menschliche
Geist lässt sich von Menschenhand keine Fesseln auferlegen. |
|
| 28 Daher bleibt
uns nur eines übrig. Wir müssen alle Kräfte anspanne, der
Verständigung unter den Völkern zu dienen und Kriege zu verhindern.
Erst wenn wir diesem hohen Ziele näherkommen, wird der Fluch in Segen
verkehrt. Die Kräfte der Zerstörung werden im Dienst der strebenden
Menschheit zu Kräften des Aufbaus und des Wohlergehens aller Menschen. |
|
| 29
Utopie? Denken Sie an die Rolle, die heute das Dynamit im Bergbau und Strassenbau
spielt. Denken Sie an die völkerverbindende Tätigkeit des friedlichen
Flugverkehrs, an die neue Methode der Heilkunde und dergleichen. Nun kommen
Sie mir aber nicht mit der üblichen Redensart, da sähe man ja,
wie notwendig Kriege seien. Die Fortschritte, welche die Menschheit in
friedlichen Zeiten macht, sind durchaus nicht geringer, als jene der Kriegszeiten.
Sie treten nur äusserlich nicht so sehr in Erscheinung, weil sie nicht
ruckweise und plötzlich auftreten, sondern im Zuge gleichmässiger
Entwicklung nach und nach gestaltet werden. |
|
30 Was nun
die Atomzertrümmerung angeht, ist es das gute Recht des Menschen,
all ihre Wirkungen zu erfahren und zu messen. Letzten Endes werden
auch diese, der Natur entrissenen Geheimnisse in den friedlichen Dienst
der Menschen gestellt werden müssen.
Übrigens sind die Versuche
bei der Insel Bikini in Amerika selbst heftig kritisiert worden, weil sie
zu Missverständnissen unter den Völkern führen konnten.
Seither sind sie eingestellt, und werden künftig wahrscheinlich in
einer weniger verfänglichen Form durchgeführt.
Jochen Spatz |
|
31 Ein Kleinbauer schreibt
Werter Herr Spatz!
Zur Frage der Bodenreform haben
in den D. N. mehrmals Land- und nicht Landwirte Stellung genommen; aber
noch kein Kleinbauer, der sich schon mit einem Kleingrundstück herumgeplagt
hat. Herr Merkel hat wohl Erfahrung und Wissen am besten vereint, und doch
den Glauben an die Möglichkeit einer so fundierten Wirtschaft bewahrt.
Aber meistens begegnet man im Lager einer grossen Abneigung. Dankenswerterweise
hat der dänische Reichstagsabgeordnete, Herr Hansen, im Lager zwei
Vorträge gehalten: Über das Verhältnis der Kleinbauern hier
im Lande; aber auch damit ist wenig Wandlung erzielt worden. Die meisten
tun so, als ob in Deutschland die kleinen Wirtschaften garnicht bekannt
wären. Und doch gab es auch im Osten, besonders im Memel-Gebiet zu
hunderten Wirtschaften von 5 bis 8 ha. Und das in Gebieten, die weit von
jedem grossen Absatzgebiet waren. |
|
| 32 Ob nun Land-
oder Stadtrandsiedlung, das muss denen, die an der Spitze stehen, überlassen
bleiben, da sie die Möglichkeit haben, die nähere Zukunft zu
beurteilen. Den Flüchtlingen und Arbeitslosen liegt es fürs erste
nur daran, der Suppenküche und dem Brot vom Gabentisch zu entfliehen.
Und alles, was diesem Zweck dienen kann, soll uns willkommen sein. Jedem
muss aber das Recht bleiben, sich nach einer ihm zusagenden Arbeitsstelle
umzusehen. |
|
| 33 So viele Bauern hört man über ihren,
wie sie sagen, schweren Beruf klagen, als ob sie jemand gezwungen hätte,
mit dem Pflug und der Sichel zu arbeiten, das muss verschwinden. Doch richtig
besehen findet man überall Licht und Schatten in naher Gemeinschaft. |
|
| 34 Die Bodenreform
wird davon auch nicht verschont bleiben, die sozisagen jetzt beim Mondschein
geschaffen werden muss. Wer kann es wissen, wie sie am Tage bei Sonnenschein
sich herausstellen wird. Wenn die Landflucht kein leeres Wort war, so ist
mit ihrem Aufleben wieder zu rechnen, sobald das Handwerk und die Industrie
die Möglichkeit bieten. Ist das in absehbarer Zeit nicht zu erwarten,
so muss der verfügbare Boden planmässig zum Segen der Allgemeinheit
und zum Wohle des Einzelnen verteilt werden. |
|
| 35 So wie
Herr Rossberg das Kleinbauernleben in Sachsen bezeichnet, darf es natürlich
nicht sein. Wer nicht Lust und Liebe zum Beruf hat, soll ihm fernbleiben,
im Handwerk oder in der Stadt sein Brot suchen und wenn möglich, sich
an einer Randsiedlung erfreuen. Wenn das Land den Lohn geben muss, so verlangt
es auch den vollen Einsatz. Das Doppelverdienen ist eine Habgier und es
ergeht denen dann meistens wie einem Hund, der in der Schnauze schon einen
Knochen hält und nach einem zweiten schnappt, dann fällt ihm
der eine heraus. |
|
| 36 Bei der
ersten Hackfruchtpflege sowie bei regnerischem Erntewetter muss man auch
die Frau um Hilfe bitten. Sonst gehört die Frau auch auf dem Lande
den Kindern, der Küche, dem Gemüsegarten und dem Geflügelhof,
und in dringenden Arbeitszeiten muss sie am Nachmittag das Melken erledigen.
Aber des Morgens und im Winter ist das Melken grundsätzlich heute
die Arbeit des Mannes. |
|
| 37 Die Grösse
der Siedlung müsste auf alle Fälle erlauben, 3 Kühe und
1 Pferd zu halten. Ich möchte sagen, das ist Lebensbedingung. Besser
noch 4 Kühe und die Pflugarbeit zum Teil in Lohnarbeit erledigen lassen.
Auf mittlerem Boden möchten das die Fläche von 6 ha sein. In
der Grösse von 8-12 ha sollte es m. E. überhaupt keine Wirtschaft
geben. |
|
| 38 Anschliessend
daran auf schweren Boden und die grösste Einheit auf leichten Böden,
die auch zur Gründung grosser Schläge bereitgestellt werden müssen. |
|
| 39 Die Maschinen-
und Arbeitfrage kann dadurch gelöst werden, wenn man sich in kleinen
Gruppen bindet. So kann das Vielfachgerät, der Grasmäher mit
Ableger, die Drillmaschine und anderes Gerät immer das Eigentum des
Einzelnen sein und wird durch Gegendienst beglichen. Die Drillmaschine
braucht nur 1,5 m breit sein, die iest handlich und für jede kleine
Fläche zu verwenden. Dann braucht auch der Feldweg nur 2 m breit sein.
Und die Grenzraine als Unkrautträger können und müssen verschwinden. |
|
| 40 Jetzt
schon über Wohnhäuser zu reden, finde ich ganz und gar verfrüht.
Das Fundament der Wirtschaft muss der Stall und nur der Stall sein. Umsomehr
und dauerhafter kann dafür gebaut werden. Der Stall 9x9 m reicht für
eine 8 ha-Wirtschaft aus. Am Ostende kommen noch 4,5 m mit Unterkellerung
zu. Die geben zuerst die Notwohnung, über die oben der Speicher angelegt
wird. Dann folgt eine Futterküche mit Zugängen zum Keller und
Speicher und erst Jahre später kann das Wohnhaus, wobei die Wünsche
des Besitzers Berücksichtigung finden, gebaut werden. Dann verwandelt
sich die Notwohnung in Werkraum und Hühnerstall. So ist keine Arbeit
und kein Material unnütz verwandt worden. (Eine Bauskizze liegt im
2. Brief zur Erläuterung bei). |
|
| 41 Ebenso
ist mit dem Bauen der Scheune keine so grosse Eile. Soll jetezt alles überstürzt
gebaut werden, so wird durch den Materialverbrauch den anderen Siedlern
die wirtschaftliche Freiheit verbaut und durch manches Unpraktische wird
den Eigentümern viel Ärger bereitet werden. Es ist besser, weniger
an Kochnische als an die Unterbringung der heranwachsenden Jugend und das
Unterbringen der Altenteiler zu denken. Ebenso mit dem geringsten Materialverbrauch
die grösste Zahl Siedler zum Schaffen auf eigener Scholle unterzubringen. |
|
42 Zur Altersversorgnung
müssten auch gangbare Wege gesucht werden. Wenn auch das jüngste
der Kinder die Siedlung übernimmt, so muss es mit jahrelandem Deputat
ohne Gegenleistund rechnen. Das ist untragbar! Vom 65. Lebensjahr muss
allmählich eine Versicherung die Last übernehmen und von 70 Jahren
ganz tragen. Dadurch wäre zu vermeiden, dass so kleine Wirtschaften
zeitweilig zuviel belastet werden.
Johann Szonn,
Kløvermarken, Bez 4. Bar 153. |
|
43 Etwas über die Fürstenabfindung
An die Schriftleitung der Deutschen Nachrichten in Kopenhagen.
Vielleicht haben Sie die Güte,
die folgenden Mitteilungen unter "Das Wort ist frei" abzudrucken. Es ist
mehrfach auf die Fürstenabfindung nach 1918 hingewiesen worden und
mancher Leser weiss wohl kaum, wie sie überhaupt möglich wurde. |
|
| 44 Nach
dem Zusammenbruch vom 1918 mit der anschliessenden Inflation kam es zu
einem Volksbegehren gegen die Entschädigung der abgesetzten deutschen
Fürsten. Dieses Volksbegehren musste, um einen Erfolg zu haben, über
50% aller Wahlberechtigten auf die Beine bringen, da es nicht um "Ja" oder
"Nein" ging, sondern jeder Begehrende sich namentlich in eine Liste eintragen
musste. |
|
| 45 Diese nicht geheime Abstimmung stellte an
den Mut vieler, die an sich nach Verlust ihres Vermögens gegen die
Entschädigung der Fürsten (also nicht nur des Kaisers) waren,
eine zu hohe Anforderung, da man bereits damals mit einer politischen Wendung
rechnete und sich nicht kompromittieren wollte. Ausserdem hatte damals
die allein öffentlich in Erscheinung tretende Propaganda der K. P.
D. viele bürgerliche Elemente von der Eintragung abgehalten. Immerhin
betrug die Zahl der namentlich Eingetragenen, soweit ich mich erinnere,
an 15 Millionen .. .. |
|
46 Herrn Dr. Werner Losert, Oksbøl.
Obgleich es sehr reizvoll
wäre, Ihr ganzes Schreiben abzudrucken und darauf einzugehen, müssen
wir uns mit dem ersten Teile begnügen. Dabei bemerken wir, dass es
nicht unsere Aufgabe sein kann, parteipolitische Auseinandersetzungen zu
pflegen. Damit warten wir, bis wir wieder in Deutschland sind. Inzwischen
mag ein jeder für sich allein prüfen, welcher Parteirichtung
er zuneigt, was ihm am Verhalten der einzelnen Parteien zusagt und was
ihm missfällt. |
|
47 Und nun ein
paar Sätze über die Fürstenabfindung.
Nach Überwindung der Inflation
steigerten sich die Ansprüche der ehemaligen deutschen Fürstenhäuser
unaufhörlich. Weder im Reichstage noch in den Länderparlamenten
liessen sich befriedigende Vergleichsgrundlagen schaffen. |
|
| 48 Geschichtlich und
ethisch war die Forderung entschädigungsloser Enteignung berechtigt.
Selbst Bismarck war lange vor der Weimarer Republik auf diesem Gebiete
nicht zimperlich, wie vor allem die Geschichte des Welfenhauses beweist. |
|
| 49 Da sich
die bürgerlichen Parteien in Deutschland gegen die Enteignung aussprachen,
einigten sich die Sozialdemokratische Partei, die Kommunistische Partei
und der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund auf einen Entwurf, der durch
Volksbegehren zum Gesetz erhoben werden sollte. |
|
| 50 In diesem
Gesetzentwurf wurde gefordert, das gesamte Vermögen der Fürsten,
die bis 1918 in einem der deutschen Länder regiert haben, zum Wohle
der Allgemeinheit ohne Entschädigung zu enteignen. |
|
| 51 Das enteignete
Vermögen sollte zugunsten der Erwerbslosen, der Kriegsbeschädigten
und der Hinterbliebenen, der Inflationsopfer, der Landarbeiter, Kleinpächter
und Kleinbauern verwendet werden. |
|
| 52 Die Listen
ddes Volksbegehrens lagen vom 4. - 17. März 1926 aus. Trotz vieler
Beeinflussungen und Drohungen trugen sich 12.516.673 Wahlberechtigte öffentlich
in die Listen ein. Das war das Dreifache der zum Volksbegehren notwendigen
Unterschriften. |
|
| 53 Die bürgerliche
Mehrheit des Reichstages zeigte trotzdem keine Neigung, dem Willen dieser
Massen Rechnung zu tragen, 236 bürgerliche Abgeordnete standen gegen
die 142 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten. |
|
| 54 So kan
es am 20. Juni zum Volksentscheid. Der Terror auf dem Lande war unbeschreiblich.
Schwarze Listen, Boykotte, Überwachungen, kirchliche Beeinflussungen,
Drohungen und Dienstentlassungen, alles musste den reaktionären Kräften
des Reiches helfen, den Fürsten unermessliche Vermögenswerte
zuzuschanzen. |
|
| 55 Sogar
der Reichspräsident von Hindenburg wurde vom "Loebell-Ausschuss gegen
den Volksentscheid" veranlasst, unter Bruch seiner verfassungsrechtlichen
Pflichten zu Gunsten der Fürsten in den Kampf einzugreifen. Am 22.
Mai liess er einem Brief veröffentlichen und plakatieren, in welchem
es über den Volksentscheid hiess: |
|
| 56 "-- -- Ich sehe in
ihm einen sehr bedenklichen Verstoss gegen das Gefüge des Rechtsstaates
-- -- Er verstösst gegen die Grundlagen der Moral und des Rechtes
-- --" |
|
57 Damit beschimpfte
der Reichspräsident die 12,5 Millionen Wähler, die sich für
Enteignung und für Abweisung schamloser Ansprüche öffentlich
eingesetzt hatten. Im Namen der "Moral und des Rechtes" nahm er Leute in
Schutz wie:
a) Den früheren mecklenburgischen Herzog
Carl Michael, der bei Ausbruch des Krieges die deutsche Staatsangehörigkeit
abschwor und ins feindliche lager überweckselte. Er liess sich die
Anwartschaft auf die mecklenburgische Thronfolge für fünf Millionen
Mark abkaufen und stellte nun nachträglich Erbansprüche an das
durch den Krieg verarmte deutsche Volk. |
|
| 58 b) Die montenegrinische
Prinzessin Jutte Militza, die unter Berufung auf deen Versailler Vertrag
und den Erwerb ihrer jugoslawischen Staatsangehörigkeit durch internationale
Gerichte 14,5 Millionen Mark von Deutschland zu erpressen versuchte. |
|
| 59 c) Wilhelm II., der
in Holland ein Millionengut besass und trotzdem noch 300.000 Morgen deutschen
Bodens verlangte, dazu Schlösser und Vermögenswerte in Höhe
von 183 Millionen Mark! |
|
60 Trotz
des wütenden Kampfes gaben 14.455.184 Deutsche ihre Ja-Stimmen für
den Volksentscheid ab.
584.723 stimmten mit Nein.
559.406 Stimmen waren ungültig.
24.186.637 Wähler blieben zu Hause. |
|
61 Damit war die entschädigungslose
Enteignung abgelehnt, denn für die Annahme waren 19.892.976 Ja-Stimmen
nötig.
Die deutschen Fürsten behielten
ihre Vermögen, die viele Hunderte von Millionen betrugen. Und das
deutsche Volk verarmte immer mehr.
J. Sp. |
|
|